Kommentar: Gabriels neuer Job

Sigmar Gabriel

Kommentar: Gabriels neuer Job

Von Jörg Brunsmann

Sigmar Gabriel hat bald einen neuen Job. Der frühere Wirtschafts- und Außenminister fängt nächstes Jahr beim Bahnkonzern Siemens an, als Verwaltungsrat soll er die geplante Fusion mit dem französischen Alstom-Konzern kontrollieren.

Das ganze hat einen Beigeschmack, findet Jörg Brunsmann. Rein rechtlich macht Gabriel zwar alles richtig; er hält sich auch an das eine Jahr Pause zwischen Amt und Job. Aber moralisch ist der Wechseln nicht so wirklich sauber ...

Kommentar: Gabriels neuer Job

WDR 4 Zur Sache | 17.05.2018 | 01:32 Min.

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Denn war es nicht Sigmar Gabriel selbst, der solche Politiker-Wechsel in die Industrie mehrfach kritisiert hat? Man solle nicht an Türen klopfen, hinter denen man selbst mal gesessen hat, wird der frühere Außen- und Wirtschaftsminister zitiert.

Und warum überhaupt will Siemens Alstom ihn haben? Weil er so ein guter Manager ist, einer der viel Erfahrung aus der Bahnindustrie mitbringt? Oder weil Gabriel sein Adressbuch mit den ganzen Kontakten aus seiner politischen Zeit dabei hat? Wohl eher Letzteres. Und genau das – finde ich – geht gar nicht.

Nichts dagegen, dass man sich beruflich verändert und weiterentwickelt. Aber Gabriel bekommt diesen Job wohl vor allem deshalb, weil er Wissen und Kontakte hat, an die er nur durch sein Amt kommen konnte. Die Industrie bezahlt ihn in meinen Augen für etwas, das kein noch so hochqualifizierter Mitarbeiter liefern kann – sondern nur ein ehemaliger Amtsträger.

Da darf man sich nicht wundern, wenn bei vielen Menschen der Frust über Politiker und ihr Verhalten immer größer wird. Dabei fällt mir gerade ein: Vielleicht nimmt Gabriel genau das auch billigend in Kauf. Weil er selbst zu denjenigen gehört, die von der Politik frustriert sind. Die Genossen der SPD haben ihm ja schon ganz schön übel mitgespielt, ihn hintenrum kaltgestellt. Keiner wollte dem ehemaligen Spitzenpolitiker in der neuen Regierung oder auch nur in der Partei noch einen Platz einräumen.

Dass Gabriel jetzt mit dem Hintern das umschmeißt, was er vorher mit den Händen aufgebaut hat – kann es sein, dass ihm das ziemlich egal ist? Auch Politiker sind schließlich nur Menschen. Nur dann bitte beim nächsten Mal dann auch gleich zu den eigenen Fehlern und Problemen stehen und sich nicht über die Dinge stellen. Wasser predigen und Wein saufen – das kam noch nie gut an.

Stand: 17.05.2018, 00:00