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Kein Friedensobelpreis für Greta Thunberg

Abiy Ahmed erhält Friedensnobelpreis

Kein Friedensobelpreis für Greta Thunberg

Von Jörg Brunsmann

Der Friedensnobelpreis ist vergeben. Und nein – er geht nicht an Greta Thunberg und die Klimaaktivisiten von "Fridays for Future". Das Nobelpreiskomitee hat sich sozusagen für einen klassischen Preisträger entschieden, jemand, der seinem Land Frieden gebracht hat: Der Ministerpräsident des afrikanischen Landes Äthiopien, Abiy Ahmed. Er hat einen Frieden mit dem Nachbarland Eritrea ausgehandelt und einen langen Konflikt damit beendet. Jörg Brunsmann findet diese Entscheidung gut. Hier sein Kommentar "Zur Sache":

Kein Friedensobelpreis für Greta Thunberg

WDR 4 Zur Sache 11.10.2019 02:07 Min. Verfügbar bis 10.10.2020 WDR 4

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Nicht, dass ich es Greta Thunberg nicht gegönnt hätte, aber was hätte das Nobelpreiskomitee der 16-Jährigen damit angetan, welche Last hätten sie ihr aufgebürdet? Sie wäre ihr ganzes restliches Leben lang die heilige Greta der Klimabewegung gewesen. Auch wenn sie das vielleicht irgendwann gar nicht mehr sein will.

Was das Nobelpreiskomittee getan hat: Es hat sich für einen klassischen Preisträger entschieden, Äthiopiens Ministerpräsident hat sich diesen Preis verdient, weil er dem Land und der Region Frieden gebracht hat, weil er sich mit den früheren Feinden im Nachbarland Eritrea versöhnt hat. Eine gute Entscheidung aus Oslo.

Denn – auch das muss man ja sehen: Die Fridays-for-Future-Bewegung ist im klassischen Sinne überhaupt keine Friedensbewegung. Egal, wie man dazu steht, ob man Greta Thunberg und ihr Engagement gut findet, oder ob einem die 16-Jährige mächtig auf den "Zeiger" geht: Sie haben nicht für mehr Frieden zwischen den Menschen gesorgt, sie sorgen für Unruhe, dafür dass viele, die sich mit dem schnellen Wirtschaftswachstum und mit der Zerstörung der Natur arrangiert haben, kein gutes Gewissen mehr dabei haben können.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde es richtig, was da passiert. Was Fridays-for-Future losgetreten haben, das ist eine längst überfällige Diskussion. Die ja auch schon einiges bewegt hat. Die Bundesregierung hat ein erstes Klimapaket auf den Weg gebracht. In anderen, vor allem den europäischen Ländern, gibt es ähnliche Überlegungen und Ideen.

Aber wir haben auch die USA, ein Land, das für sein klimaschädliches Verhalten berüchtigt ist. Und das mit Donald Trump einen Präsidenten hat, der offenbar Klima und Wetter nicht voneinander unterscheiden kann. Und der der Meinung ist, wenn Grönland irgendwann mal nicht mehr vom Eis bedeckt sein sollte, dann ist das eine tolle Sache, weil man dann die Bodenschätze dort abbauen kann.

Nein, die Klimaschutzbewegung steht noch ziemlich am Anfang – und es wird auch kein leichter Weg werden. Wer den Klimawandel und seine Folgen für uns Menschen ernst nimmt, dem dürfte klar sein: Es geht nicht darum, weniger eingeschweißte Gurken zu kaufen oder die Heizung um ein, zwei Grad herunterzudrehen. Wir müssen lernen, nicht von, sondern mit der Natur zu leben.

Das wird uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mehr Unfrieden bescheren als alles andere – und ist damit vorerst kein Fall für den Friedensnobelpreis. Gut, dass das Komitee das erkannt hat.

Stand: 11.10.2019, 13:10