Live hören
Jetzt läuft: You to me are everything von Real Thing

Kommentar: Lieber Smartphone als Freunde treffen?

Eine junge Frau sitzt in einem Wohnzimmer und benutzt ihr Smartphone (gestellte Szene)

Kommentar: Lieber Smartphone als Freunde treffen?

Von Stephan Karkowsky

Alle fünf Jahre werden über 2000 Deutsche über ihr Freizeitverhalten befragt, im Auftrag des Tabakkonzerns BAT. Das Ergebnis nennt sich "Freizeitmonitor" und soll aufzeigen, mit was wir uns beschäftigen, wenn wir nicht arbeiten. Ein Ergebnis: Echte Sozialkontakte nehmen zugunsten von Smartphone und sozialen Medien weiter ab. Stephan Karkowsky findet das nicht weiter schlimm.

Kommentar: Lieber Smartphone als Freunde treffen?

WDR 4 Zur Sache | 06.09.2018 | 02:13 Min.

Download

Ich gebe es gerne zu: Ich bin kein Freund von Statistiken. Zu oft wird berichtet: Die Mehrheit der Deutschen will dies oder das, obwohl es nur 51 Prozent sind. Die Nachricht ist nicht falsch. Aber sie suggeriert Eindeutigkeit, statt aufzuzeigen: Die Deutschen sind in dieser Frage gespalten. Wie leicht man mit Statistiken Stimmung machen kann, zeigt das aktuelle Thilo-Sarrazin-Buch, das fast nur aus Zahlen besteht: Ein Riesenbestseller. Denn die meisten Menschen mögen Statistiken: Weil sie scheinbar eindeutige Antworten geben. Dabei ist das ganz und gar nicht so.

Ein Beispiel! Nur noch ein gutes Viertel der Bundesbürger spielt regelmäßig mit Kindern, sagt der Freizeitmonitor 2018. Vor fünf Jahren waren es noch fast ein Drittel. Hmmm. Die Zahlen stimmen, aber was sagen sie aus? Dass es weniger Kinder gibt in unserer Gesellschaft? Oder dass wir unsere Kinder häufiger den elektronischen Medien überlassen? Oder, schlimmer noch, dass junge Mütter und Väter zu abgelenkt sind von ihren Smartphones, um noch aktiv mit Kindern zu spielen?

Noch ein Beispiel: Unsere sozialen Kontakte nehmen ab, sagt der Freizeitmonitor, sprich: Wir treffen weniger oft echte Menschen, wir laden seltener ein oder werden eingeladen. Klingt dramatisch, aber wurden nicht genau dafür die sogenannten sozialen Medien erfunden? Dass man mit mehr Freunden in Kontakt bleiben kann, ohne die Wohnung zu verlassen? Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht mal bei Facebook. Aber meine Frau zum Beispiel ist permanent am Skypen und WhatsAppen: Würde sie ihre Freunde alle zu uns nach Hause einladen, könnte ich auf Vollzeitgastgeber umschulen.

Weniger spektakulär sind die Top 3 Freizeitbeschäftigungen der Deutschen: Fernsehen, Radiohören und Musikhören. Spannender sind die Veränderungen: 76 Prozent mehr Smartphone-Nutzung ohne zu telefonieren. Ein hoher Anstieg in der Internet-Nutzung. 46 Prozent mehr Online-Shopping! Und, Überraschung, 29 Prozent mehr Camping oder Caravaning – ein Trend, der an mir vorbeigeht.

Alles in allem: Kein Grund zur Besorgnis. Seien wir froh, dass die Welt sich ändert. 1957 stand noch auf Platz 6 der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen: Aus dem Fenster sehen… Dann doch lieber Fernsehen!

Stand: 06.09.2018, 13:10