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Kommentar: Herzlich willkommen, Dashcams!

Ein Navigationssystem mit integrierter Dashcam

Kommentar: Herzlich willkommen, Dashcams!

Von Jörg Brunsmann

Noch sind sie in Deutschland eher die Ausnahme – anders übrigens als in anderen Ländern – aber hin und wieder sieht man sie: Kleine Kameras im Auto, die alles dokumentieren, was vor oder auch hinter dem Wagen passiert.

"Dashcams" nennt man diese Kameras. Und künftig können die Aufnahmen dieser Kameras auch vor Gericht verwendet werden, zum Beispiel, um die eigene Unschuld bei einem Unfall zu beweisen. Der Bundesgerichtshof hat das entschieden, aber auch klar gemacht: Dauernd aufzeichnen dürfen die Kameras nicht. Ein Urteil mit Augenmaß, findet Jörg Brunsmann.

Herzlich willkommen, Dashcams!

WDR 4 Zur Sache | 16.05.2018 | 01:36 Min.

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Als Bedenkenträger sind wir Deutschen ja wirklich Weltklasse. Keine neue Technologie, bei der nicht als erstes gefragt wird: "Und was heißt das für den Datenschutz?"

Klar ist die Frage wichtig, aber muss sie denn immer ganz vorne stehen? Das führt nämlich dazu, dass wir oft die Vorteile neuer Technik gar nicht erkennen. Bei den Dashcams ist das so. Ich finde es gut, wenn die jetzt eine größere Verbreitung finden. Wo sonst Aussage gegen Aussage steht, kann die Kamera helfen. Warum ist der Unfall passiert? Hat sich da jemand falsch verhalten oder war eines der Autos nicht in Ordnung?

Meine Hoffnung: Notorische Drängler, Raser und andere rücksichtslose Zeitgenossen werden sich viel stärker genötigt fühlen, sich vernünftig zu verhalten. Wer bewusst Regeln verletzt und andere damit in Gefahr bringt, muss künftig damit rechnen, dass er sich eben nicht mehr rausreden kann – die Kamera hält alles fest.

Für mich tragen die Kameras im Auto damit ein gutes Stück zur Verkehrssicherheit bei. Und das ist das Entscheidende. Auch wenn sich immer mehr Autofahrer so verhalten: Die Straße ist kein Spielplatz, es gibt aus gutem Grund klare Regeln, an die man sich halten muss.

Was die Kameras nicht werden dürfen: Digitale Petze, mit deren Hilfe man andere schikanieren kann. Ein Zentimeter neben dem Parkstreifen angehalten? Nicht an den Blinker gedacht? Die Kamera hält alles fest und Polizei oder Ordnungsamt sind nur eine E-Mail weit entfernt. Das bringt nicht mehr Ordnung und Sicherheit, sondern wird zum Ordnungsterrorismus.

Mit seinem Urteil hat der Bundesgerichtshof da zum Glück Augenmaß bewiesen. Kamera im Auto – Ja. Dauerüberwachung – Nein. So müsste es funktionieren und deshalb: Herzlich willkommen, Dashcams!

Stand: 16.05.2018, 00:00