Kommentar: Ryanair – Billigflüge sind nicht preiswert!

: Eine Boeing B737-800 der Ryanair mit dem Kennzeichen EI-DHT startet vom Flughafen Palma de Mallorca (PMI) in Spanien.

Kommentar: Ryanair – Billigflüge sind nicht preiswert!

Von Irene Geuer

An manchen Flughäfen ist es heute ein bisschen leiser. Die Ryanair-Piloten streiken. Auch bei uns in Köln, Düsseldorf und Weeze – nur jeder zweite Flug findet statt.

Die Piloten und auch das Bordpersonal fordern bessere Arbeitsbedingungen und verlässliche Gehälter. Denn die Billigangebote, sagen sie, gehen auf ihre Kosten. Billig hat seinen Preis, weil billig – nicht nur bei Flügen – im Grunde viel zu teuer ist.

Kommentar: Ryanair – Billigflüge sind nicht preiswert!

WDR 4 Zur Sache | 10.08.2018 | 01:58 Min.

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Ja, "billig" ist eine superteure Angelegenheit. Wir sollten uns "billig" nicht mehr leisten. Ich habe es in diesem Sommer noch mal erlebt, wie das ist, mit so einem Flieger in den Urlaub zu starten. Im Grunde genommen eine Tortur, zweieinhalb Stunden im Flugzeug auf Starterlaubnis gewartet – muss ich mehr sagen?

Freundin Inge gibt mir Recht. Sie sitzen eingepfercht wie in einer Sardinendose. Die Bewegungsfreiheit tendiert gegen Null. Und Inges Mann ist – sagen wir mal – ein wenig beleibter und musste für einen Sitzplatz, wo er auch seinen Bauch unterbringen konnte, mal eben 30 Euro mehr bezahlen. Billigfliegen ist zuweilen eine Mogelpackung, weil für jede Kleinigkeit Extra dazubezahlt werden muss. Der Preis aus der Werbung ist meist nichts anderes als ein billiges Lockangebot. Da sollten wir nicht mehr drauf reinfallen. Weil - billig sorgt ja auch dafür, dass der Himmel voller denn je ist – an Fliugzeugen und an Kerosin, das nicht besteuert wird und unsere Welt noch kaputter macht, als sie schon ist.

Billig ist zerstörerisch, sagt auch Freundin Inge, deren Sohn gerade an einem Ferienprojekt sitzt. Das Thema lautet: Warum machen billige Bananen hungrig? Komischer Satz. Ja, sagt sie, aber er stimmt. Ihr Sohn hat in diesem Projekt herausgearbeitet, wie wenig die Bananenbauern verdienen. Vom hiesigen Preis bleibt für sie abzüglich Transport und Verpackung kaum etwas übrig.

Das ist nicht gut, sagt Inges Sohn. Ja, das wird sich irgendwann mal rächen, sage ich. Wenn die Menschen in ihrer Heimat keine Zukunft sehen, weil wir billigbillig haben wollen, dann werden sie sich vielleicht auf den Weg machen, um das Land kennen zu lernen, in dem ihre Arbeit so wenig wertgeschätzt wird. Und dann ist das Geschrei in Deutschland wieder groß, von wegen Wirtschaftsflüchtlingen.

Dabei ist es doch im Grunde ganz einfach. Ein altes Sprichwort sagt: Ist der Preis allzu billig, wirst Du leicht betrogen. Wenn wir diesen Satz beherzigen, dann schützen wir uns auch selbst und sorgen für Win-Win-Situationen. Bessere Arbeitsplätze, bessere Umwelt, bessere Lebensmittel, schönerer Urlaub.

Stand: 10.08.2018, 13:10