Live hören
Jetzt läuft: The night they drove old Dixie down von Joan Baez

Kommentar: Vor Sturm schützt auch das Glück

durch Sturm gebrochene Eiche

Kommentar: Vor Sturm schützt auch das Glück

Von Stephan Karkowsky

Der Herbst ist nicht mehr weit. Weshalb die deutschen Versicherungen diese Woche eine Langzeitbilanz vorgelegt haben. Seitdem wissen wir, wo bei uns in Nordrhein-Westfalen Sturm und Starkregen am häufigsten Schäden verursacht haben: In Münster! Auch Gelsenkirchen und Herne sind öfter betroffen. In Leverkusen dagegen war aus Sicht der Versicherer die letzten 15 Jahre Ruhe. Stephan Karkowsky hat seine eigenen Erfahrungen mit Sturmschäden gemacht.

Kommentar: Vor Sturm schützt auch das Glück

WDR 4 Zur Sache | 14.09.2018 | 01:54 Min.

Download

Mein Elternhaus steht auf einer Flussinsel, so unglaublich das klingt: Es ist eines dieser 100 Jahre alten, großen und modernen Backsteinhäuser, die damals die alten Fachwerk-Lehmhäuser ablösten und für mehrere Generationen geplant waren. Auf dem Hof standen Ställe für Kaninchen und eine Werkstatt; der Schweinestall war neben der Waschküche.

Klingt wie aus einem anderen Jahrtausend, und so war es ja auch. Hinten im Hof wuchs eine Kastanie, seit den Birnbaum der Sturm geholt hatte. Unsere Kastanie war schnell in die Höhe geschossen und hätte jeden Schönheitswettbewerb gewonnen: Die Krone war so perfekt rund, dass mein Schwager behauptete: Er würde sie regelmäßig von einem Hubschrauber aus stutzen.

Wir mochten diesen Baum und sprachen oft über ihn: Aber er machte auch viel Arbeit durch das viele Laub. Und im Sommer nahm er uns die Sonne von Westen: Ausgerechnet zur Feierabendzeit wurde es schattig auf der Terrasse. Die Familie sprach sogar darüber, die Kastanie zu fällen, aber niemand brachte es übers Herz, dazu war sie zu schön und zu kräftig.

Dachten wir. Eines schönen Herbsttages blies der Sturm so heftig ums Haus, dass meine Mutter draußen die Blumeninseln mit den Fuchsien abhängen ging. Als sie ein zweites Mal auf den Hof treten wollte, war die Kastanie kurz zuvor mit einem großen Knall umgestürzt. Wo eben noch meine Mutter stand, lagen nun ein großer Haufen Äste und Blätter und zentnerweise Brennholz.

Leicht hätte die Kastanie das Haus beschädigen können. Und das Leben der Matriarchin! Aber bis zum Ende war dieser Baum gut zu uns. Die Versicherung zahlte, ein neuer, viel kleinerer Baum wurde gepflanzt. Seitdem scheint auf unserer Terrasse abends die Sonne. Übrigens erwähnte niemand den Klimawandel. Wer auf dem Land wohnt, kennt das Wetterrisiko und gewöhnt sich schnell daran, wenn dadurch die Extreme zunehmen. Gut, dass es Versicherungen gibt. Ein wenig Glück aber gehört auch dazu.

Stand: 14.09.2018, 13:10