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Könnte ich mir vorstellen ist nicht machen...

Gurke in Folie

Könnte ich mir vorstellen ist nicht machen...

Von Irene Geuer

Wie kommt das eigentlich? Alle reden übers Klima, wir alle sind eigentlich wild entschlossen, etwas für eine bessere Umwelt zu tun. Aber: De facto verzichtet z.B. nur jeder Fünfte auf eine Flugreise. Plastikverpacktes Gemüse wird weiter verkauft, weil es genügend Menschen gibt, die nicht umgeschwenkt sind auf lose Ware. Warum? Psychologen haben eine Antwort darauf: Attitude-Behaviour-Gap, übersetzt: Einstellungs-Verhaltens-Lücke.

Könnte ich mir vorstellen ist nicht machen...

WDR 4 Zur Sache 15.10.2019 02:03 Min. Verfügbar bis 14.10.2020 WDR 4

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Als ich von dieser Lücke gelesen habe, kam ich mir erwischt vor. Sommer – Grillen. Ich habe es Ihnen hier an dieser Stelle vor Wochen erzählt. In meinem Freundeskreis die Diskussion: Dürfen wir eigentlich noch mit Kohle Grillen? Die klimagerechte Antwort wäre "Nein" gewesen. Wir haben es trotzdem getan und den Tag des Ausstiegs, also den Grillexit, verschoben.

Damit sind wir ein klassischer Fall für die Psychologen, die sich mit dem Attitude-Behaviour-Gap auseinandersetzen. Mit dem, dass wir eigentlich für ein neues Leben gegen den Klimawandel eintreten, aber es nicht tun, oder nicht immer tun. Und ich kann das nachvollziehen. Die Psychologen sagen z.B., dass wir gerne neuen Ideen und Strömen in der Gesellschaft folgen, aber gleichzeitig unsere alten Gewohnheiten, unsere Traditionen nicht aufgeben wollen, weil wir sie liebgewonnen haben, weil es anstrengend wäre, darauf zu verzichten und uns neue Gewohnheiten zu suchen, die uns fremd sind, an die wir uns erst gewöhnen müssen. Es ist eben halt einfacher, über Klimaschutz zu sprechen, als ihn zu leben.

Und dann kommt noch etwas hinzu: Der Gedanke, dass wir allein gar nichts ausrichten können. So nach dem Motto, wenn ich aufs Fahrrad wechsele, bin ich dann nicht die Dumme? Weil: So viele SUVs sind doch immer noch unterwegs. Und auch diesen Gedanken habe ich schon gehegt: Statt mit dem Auto zu meinen Interviewpartnern zu fahren, war ich mit dem Rad unterwegs, zeitaufwändiger, anstrengender, aber fürs Klima. Abends höre ich in den Nachrichten davon, dass schon wieder ein Gletscher zu Grabe getragen wurde, dass es eine Ölpest unbekannter Herkunft im Meer entdeckt wurde und neue Feuer im Brasilianischen Regenwald wüten. Was nützt da meine Muskelkraft? Das macht mürbe.

Und doch, sagen viele Klimaforscher, jeder einzelne kann tatsächlich etwas bewirken. Denn wenn jeder etwas tut, tun es ja alle. Und das sind fast 83 Millionen, allein in Deutschland.

Ein Umweltpsychologe der Fachhochschule Dortmund hat geraten: Sammelt positive Erfahrungen. Und das tuts, also bei mir. Nachdem Europa eine Reduktion von Plastik beschlossen hat, kommen immer mehr Meldungen aus fernen Ländern, die das auch tun wollen. Solche Nachrichten bestätigen: Es geht tatsächlich. Man kann mehr bewirken, als man manchmal glaubt.

Stand: 15.10.2019, 13:10