Mein Dorf: Stockum

WDR 4 Mein Dorf: Stockum

Stand: 07.03.2022, 00:00 Uhr

Wenn ein Dorf nur knapp mehr Einwohner als Instagram-Follower hat (rund 320 bzw. 213), dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass hier die Welt wohl noch in Ordnung ist. Stockum liegt kurz vor dem östlichen Ende des Ruhrgebiets und gehört heute offiziell zur Stadt Unna, etwa einen halben Kilometer von der Bundesstraße B1 entfernt.

Von Stefan Erdmann

Das "-um" in Stockum weist darauf hin, dass die Gründung im Frühmittelalter wohl tatsächlich mit der Lage an einer wichtigen Fernstraße zusammenhängt. So bezeichnete man nämlich typischerweise kleine Orte, an denen Wegezoll kassiert wurde. Der wird heute in Stockum zwar nicht mehr fällig. Es wäre aber fast zu schade, nur hindurchzufahren, ohne zumindest einige "typische" Stockumer Institutionen gesehen und besucht zu haben. Einmal vorbei am einzigen Briefkasten des Dorfes und dann links abbiegen – schon sind wir beim inoffiziellen "Dorftreffpunkt" von Stockum.

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WDR 4 Mein Dorf 07.03.2022 11:04 Min. Verfügbar bis 14.03.2023 WDR 4 Von Stefan Erdmann


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Hier betreiben Sabine und Wolfgang Behmenburg seit über dreißig Jahren den "Stockumer Hofmarkt". Eier, Äpfel und Apfelsaft, Brot und Kuchen gibt es direkt vom Erzeuger, darüber hinaus ergänzen einige weitere Landwirte aus der Gegend das Sortiment – unter anderem mit Milchprodukten, Fisch, Obst und Gemüse, aber auch mit Blumen, Deko und etwas Mode. Und selbst die Zukunft ist schon gesichert: Die nächste Generation – Tochter Christine Raffenberg mit ihrem Mann Timo – betreibt einen Bio-Landhof samt Metzgerei und liefert Fleisch und Wurst.

Kaffee und Kuchen in der umgebauten Scheune

Wer also will, der bräuchte Stockum für den täglichen Bedarf kaum zu verlassen. Allerdings öffnet der Hofmarkt nur zum Ende jeder Woche die großen Scheunentore. Das jedenfalls hat sich längst herumgesprochen. Und so beginnen inzwischen nicht nur Stockumer ihr Wochenende mit einem entspannten Einkauf in der rustikalen Markthalle. Längst kommen auch aus den Nachbarorten oder der "großen Stadt Unna" zahlreiche Menschen, um sich hier zu versorgen oder bei einem Kaffee und einem Stück Kuchen auf den Holzbänken hinter der Scheune das Neueste aus der Nachbarschaft zu erfahren. Den meditativen Blick auf die freilaufenden Hühner, die auf der Wiese picken, gibt es gratis dazu.

Hobby-Bauern bewirtschaften "Sommergärten"

Wer selbst aktiv werden will, für den hält Stockum einen der sogenannten "Sommergärten" bereit. Auf einem abgetrennten Acker, etwa ein Drittel so groß wie ein Fußballfeld, bekommen Nicht-Landwirte eine Parzelle zugeteilt, die sie nach eigenen Vorstellungen bewirtschaften können – aber auch müssen. Einige hätten die Arbeit unterschätzt, die so ein Stück fruchtbare Erde mache, berichtet Wolfgang Behmenburg, der auch der Vater dieses Projekts ist. Im Grunde braucht das Land nahezu das ganze Jahr über Pflege in Form körperlicher Arbeit.

Dann – und mit ein bisschen cleverer Anpflanzstrategie – könnten einige der Sommergärten-Paten durchaus ab dem Spätsommer reichlich Ernte für den eigenen Bedarf einfahren, so Behmenburg. Nur an die Spielregeln müssten sich alle halten. Dazu zählt unter anderem, dass die Hobby-Landwirte auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten müssen. "Und", das macht Wolfgang Behmenburg augenzwinkernd deutlich, "ich will hier keine Gartenzwerge sehen!"

Bergbaugeschichte zum Anfassen

Dass Stockum neben der deutlichen landwirtschaftlichen Prägung im Ruhrgebiet liegt, daran erinnert das nach eigenen Angaben "kleinste private Stollenmuseum der Welt". In der "Fröhlichen Morgensonne" zeigen über tausend Ausstellungsstücke die Geschichte des Bergbaus, überwiegend aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der ehemalige Bergmann Horst Höfer und seine Frau Doris haben hier – wohlgemerkt im eigenen Garten – seit 1989 Originalgeräte von unter und über Tage zusammengetragen. Vieles noch funktionsfähig, aber auf jeden Fall alles zum Anfassen.

Horst Höfer hat mit 15 Jahren einst als Pferdejunge auf einer Zeche angefangen, heute führt er als Rentner statt der Grubenpferde voller Begeisterung Besuchergruppen über sein Ausstellungsgelände. Über 50.000 Menschen sind im Laufe der Jahrzehnte mittlerweile dort gewesen. "Herzlich willkommen und 'Glück auf'" heißt es in dem Privatmuseum übrigens nur nach Absprache, denn feste Öffnungszeiten gibt es nicht.

Stollenmuseum "Fröhliche Morgensonne"

Doris und Horst Höfer 
Stockumer Wiese 4
59427 Unna
Telefon 0 23 08 / 47 9
Anmeldung erforderlich
Öffnungszeiten: Mitte April bis Mitte Oktober

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