Ex-Bergmann Paul Smaglinski in der "Alten Siedlung Repelen"

WDR 4 Mein Dorf: Repelen

Stand: 01.03.2022, 00:00 Uhr

Beim Dorfrundgang durch Repelen, einem beschaulichen Stadtteil von Moers, gibt‘s viel zu entdecken, oftmals auch erst auf den zweiten Blick. Engagierte Repelener helfen mit ihrem Wissen Ortsunkundigen, in die Besonderheiten des Dorfes einzutauchen und es konkret erlebbar zu machen.

Von Petra Krüll

Die grüne Oase des Dorfes ist der Jungbornpark. 1898 wurde er sogar zum Kurpark umgewidmet. Denn die Lehmkuren des damaligen evangelischen Pastors Emanuel Felke wurden zum internationalen Hit. Sogar Menschen aus den USA und Russland kamen nach Repelen, um nach der Lehre des "Lehmpastors" zu kuren. Der schwor auf Lehmpackungen, fleischlose Kost und Bewegung im Freien. Die Kurgäste schliefen auf Stroh in sogenannten "Licht-Luft-Hütten" und wurden vom Pfarrer jeden Morgen um 7 Uhr mit der Trillerpfeife geweckt. Emanuel Felke gab sein Priesteramt übrigens zugunsten der Heilkunde auf – und verzichtete sogar auf seine Pension. Heute erinnert ein moderner Barfußpfad mit Lehmtretbecken an diese Zeit.

Etwas später als der Kurpark, zwischen 1930 und 1935, entstanden in Repelen die ersten Wohnsiedlungen für die Bergleute auf der Zeche Pattberg – übrigens streng getrennt in Arbeiter- und Angestellten-Siedlungen. Die "Alte Siedlung Repelen" mit ihren Mehrfamilienhäusern rund um begrünte Innenhöfe und Einfamilienhäusern mit großen Gärten erinnert an das Leben der Bergarbeiterfamilien zwischen Gemüsebeet, Taubenschlag und Stammkneipe, in der die Tradition des "Anschreibens" gepflegt wurde.

Deutsch-türkische Freundschaften

Dass Geschichte, und vor allem Kirchengeschichte, nicht immer angestaubt sein muss, beweist das Turmmuseum im Glockenturm der Dorfkirche. Das haben die Repelener Günther Eckhard zu verdanken, der seit 2010 viele Erinnerungsstücke zusammengetragen und auf mehreren Etagen ausgestellt hat. Dazu gehören hölzerne Bierkrüge der Pastöre, ein alter Klingelbeutel an einem langen Stock und hundert Jahre alte Poesiealben. Bei individuellen Führungen erzählt Günther Eckhard wunderbare, unterhaltsame und lehrreiche Anekdoten aus alten Zeiten.

Beispielhaft für das gute Miteinander im Dorf sind die Freundschaften zwischen den Repelenern und den Zugezogenen aus der Türkei – wobei viele von ihnen mittlerweile auch schon 50 Jahre in Repelen leben und das Dorf als ihre Heimat bezeichnen. "Egal, wo ein Mensch herkommt und welche Religion er hat – er ist erst einmal ein Mensch", sagt Isar Acar, der Vorsitzende der Moschee, der als ehemaliger Bergmann viele deutsche Freunde gefunden hat. Die besuchen mit ihren Familien auch schonmal das Café der Moschee und tauschen sich dort über die Kulturen hinaus bei einen türkischen Tee und Gebäck aus.

Repelen

WDR 4 Mein Dorf 28.02.2022 09:01 Min. Verfügbar bis 07.03.2023 WDR 4 Von Petra Krüll


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