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Rudi Hell, der letzte Aalfischer in Nordrhein-Westfalen

WDR 4 Mein Dorf: Grieth am Rhein

Stand: 31.01.2022, 00:00 Uhr

840 Einwohner und ganz viel Rhein vor der Haustür – das ist Grieth. Der idyllische Stadtteil von Kalkar war mal ein Fischerdorf und gehörte zur mittelalterlichen Hanse.

Von Petra Krüll

Im 16. Jahrhundert zogen Pferde vom Griether Rheinufer aus Treidelschiffe mit Bier, Leinen und Wolle in die weite Welt. Seit 1980 ist Grieth Mitglied der "Rheinischen Hanse". Darin haben sich Grieth, Kalkar, Emmerich, Wesel und Neuss zusammengetan, um den alten Gedanken der Hanse im Tourismus aufleben zu lassen. Ein Beispiel dafür ist der "Hanseradweg". Er ist 450 Kilometer lang und führt von den Städten an der Ijssel über Grieth bis Neuss. Ende Mai treffen sich alle ehemaligen Hansestädte beim Internationalen Hansetag in Neuss.

Eine lange Geschichte hat auch der Ehrenamtlerkreis vom Seniorenhaus St. Marien. Zwölf Frauen und Männer sorgen bei den Bewohnern regelmäßig für Abwechslung. Es gibt Musik- und Bingo-Nachmittage und es wird gemeinsam gebastelt, gebacken und gekocht. Die Ehrenamtler nehmen sich auch viel Zeit für Gespräche, oftmals auf Platt, was die Senioren immer besonders freut.

Auf dem Rhein schaukelt Rudis Aalschokker "Anita 2"

Den wohl längsten Straßennamen haben die Griether ihrem berühmtesten Einwohner zu verdanken. Auf dem Rheindeich steht ein Schild mit der Aufschrift "Professor Doktor Wilhelm Jacob van Bebber Weg". Er wurde 1841 in Grieth geboren, war Meteorologe und zählt zu den Begründern der Wettervorhersage.

Das Wetter immer im Blick hat auch Rudi Hell. Der 85-Jährige ist der letzte Aalfischer in Nordrhein-Westfalen und fast jeden Tag mit seinem Aalschokker "Anita 2" auf dem Rhein unterwegs. Seine Vorfahren stammen übrigens von den Wikingern ab. Sein Wissen gibt der Seebär aus Grieth an Wissenschaftler in ganz Deutschland weiter. Außerdem hält er Vorträge in Schulen, Altenheimen und bei Vereinen.

Großes Thema in Grieth ist die Umgestaltung des Marktplatzes. Bei einer Bürgerbefragung zur Lebensqualität in ihrem Dorf haben 60 Prozent aller Griether Haushalte mitgemacht und sich vor allem eine schönere Ortsmitte gewünscht. Deshalb werden in naher Zukunft einige Bausünden auf dem Marktplatz entfernt, mehr Sitzmöglichkeiten geschaffen und neues Grün gepflanzt. Und Autos werden vom Markt verbannt, was nicht alle Anlieger freut.

Grieth am Rhein

WDR 4 Mein Dorf 31.01.2022 11:40 Min. Verfügbar bis 04.02.2023 WDR 4 Von Petra Krüll


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