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Vier Fragen an Ulrich Noethen

Schauspieler Ulrich Noethen

Vier Fragen an Ulrich Noethen

Von Ralf Gödde

Er war schon als Kurt Tucholsky zu sehen, hat die Nazigröße Heinrich Himmler verkörpert und war einer der Comedian Harmonists im gleichnamigen Film. Seit dem 19. Februar ist der gebürtige Münchner nun in der Fortsetzung der Erfolgsserie "Charité" im Ersten mit dabei.

Spielen wird er den cholerischen Professor Ferdinand Sauerbruch. Wir haben Ulrich Noethen unter anderem zu seiner Rolle befragt.

Am Set von "Charité 2"

(v.l.n.r.): Artjom Gilz, Mala Emde, Ulrich Noethen, Karl Max Einhäupl, der Vorstandsvorsitzende der Charité in Berlin, Frida-Lovisa Hamann und Jannik Schümann am Set von "Charité"

Sauerbruch galt damals als der Star unter den Chirurgen, der bei seinen Operationen immer ein sehr hohes Risiko eingegangen ist. Sie haben gesagt, dass die Rolle für Sie eine Art Mutprobe war – warum?

"Mutprobe insofern, dass ich mich schauspielerisch da auf eine Art aus dem Fenster hänge, wo man sagen würde, na ja, jetzt übertreibt er aber, das kaufe ich ihm jetzt nicht mehr ab. Ansonsten erfordert dieser Beruf nicht sehr viel Mut, weil er findet ja statt in einem geschützten Raum. Es ist nicht das wirkliche Leben. Ich werde immer aufgefangen von dem Drumherum und davon, dass es nur Fiktion ist. Der Mut besteht dann darin, sich so in diese Figur hinein zu begeben, sich in diese Sache reinzuwerfen, dass man sagt, hat das noch einen Bezug zur Wirklichkeit."

Ulrich Noethen über Mut im Job

WDR 4 Vier Fragen 24.02.2019 00:34 Min. Verfügbar bis 24.02.2020 WDR 4

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In einigen Szenen sieht man, wie Sie Operationen durchführen. Wie war das für Sie – sind sie da empfindlich?

"Interessanterweise - Szenen aus dem Operationssaal, die können unter Umständen auch sehr unangenehm anzuschauen sein, aber in der Regel habe ich da keine Schwierigkeiten. Auch Blut zu sehen macht mir keine Schwierigkeiten. Viel schlimmer ist, wenn mir jemand erzählt: 'Ich habe mir mit dem Hammer auf den Finger geschlagen' – oder so kleine Verletzungen, die man selber im Laufe seines Lebens bei der Küchenarbeit oder beim Basteln oder was weiß ich sich selbst zufügt. Das sind diese Sachen, wo ich sage: 'Ah, bitte hör auf, ich kann dem gar nicht zuhören. Ich kann dem Gedanken auch gar nicht weiter folgen.'"

Wie empfindlich ist Ulrich Noethen?

WDR 4 Vier Fragen 24.02.2019 00:33 Min. Verfügbar bis 24.02.2020 WDR 4

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Die Serie spielt zur Zeit des Nationalsozialismus. Der Arzt, den sie spielen, hat später auch Widerständler unterstützt. Haben Sie mal eine Situation erlebt, wo Ihr Gewissen sich gemeldet hat und Sie gesagt haben: "Hier mache ich nicht mit"?

"Ich vermute, dass es diese Situation gegeben hat. Sowas kommt wahrscheinlich ganz selbstverständlich vor, aber es ist nichts, wo ich sage, es gibt so eine Wegmarke, wo ich als der große Widerständler plötzlich da gestanden wäre. Ich könnte sagen: 'Was ist ein Mensch, der in diesem Land lebt und der merkt, dass die Schere von Arm und Reich immer weiter auseinander geht' – wo bleibt eigentlich da mein Widerstand? Was ist eigentlich mit einem Menschen, der in einer Zeit lebt, wo offensichtlich ist, dass es klimatisch bergab geht – wo bleibt denn da eigentlich mein Widerstand? Und ich frage mich dann eher, warum wird denn so viel angekündigt und so wenig getan und natürlich frage ich mich, was kannst du selbst tun? "

Ulrich Noethens Gewissen

WDR 4 Vier Fragen 24.02.2019 00:41 Min. Verfügbar bis 24.02.2020 WDR 4

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Ihr Vater war Pfarrer – hat der Begriff "Charité", also Barmherzigkeit, für Sie eine besondere Bedeutung?

"Ja, das hat sehr sehr viel mit Nächstenliebe zu tun und das hat damit zu tun, dass ich nicht nur nach meinem eigenen Wohlergehen schaue, sondern aus dem Wissen heraus, dass es nur mir selbst gut gehen kann, wenn es uns allen gemeinschaftlich gut geht, bin ich auch in der Verantwortung dafür zu sorgen, dass es meinem Mitmenschen gut geht. "

Ulrich Noethen über Nächstenliebe

WDR 4 Vier Fragen 24.02.2019 00:19 Min. Verfügbar bis 24.02.2020 WDR 4

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Stand: 24.02.2019, 00:00

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