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Doro Pesch zum Thema "Frauen in der Rockmusik"

Doro

Doro Pesch zum Thema "Frauen in der Rockmusik"

Von Thomas Steinberg

Sie ist Deutschlands einzige Rocklady mit internationalem Ruf und das seit 30 Jahren! Doro Pesch aus Düsseldorf ist damals mit ihrer Band Warlock in eine absolute Männer-Domäne eingedrungen und hat sich bis zum heutigen Tag dort sehr erfolgreich behauptet.

Ständig zwischen ihren beiden Wohnsitzen USA und Deutschland hin- und herpendelnd, hat es die 53-Jährige nach all der Zeit und über 20 Studio-Alben jetzt geschafft, ein komplettes Album mit deutschsprachigen Songs rauszubringen. Es heißt "Für immer". Wir haben Doro getroffen und sie – auch unter Berücksichtigung der aktuellen Diskussion um sexuelle Belästigung, Stichwort "#metoo" – gefragt, wie es um Frauen in der Rockmusik steht.

Doro Pesch über Frauen in der Rockmusik

WDR 4 Vier Fragen | 02.11.2017 | 03:43 Min.

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Warum gibt es immer noch so wenige Frauen in der Rockszene allgemein?

"Ja, also ich kann es gar nicht erklären, weil Musik für mich das Göttlichste ist und ich wollte auch immer Musik machen, seitdem ich ein ganz kleiner Stöpke war. Ich glaube, seit ich drei oder vier Jahre alt war, wollte ich Musik machen und wollte singen. Und ich habe immer viel und laut gesungen. Alle haben immer gedacht, die wird bestimmt Opern-Sängerin! Aber dann musste es Rock und Metal sein! Ich liebe Rock, natürlich liebe ich auch Balladen – alles mit Emotionen und Leidenschaft. Und, ich weiß es nicht, ich glaube, wenn man einmal Blut geleckt hat, dann bleibt man dabei. Es gibt ja schon viel mehr Frauen als in der Zeit, wo ich angefangen habe, aber natürlich nicht genug, um ne Balance zu haben."

Warum ist auch speziell in Deutschland niemand in Ihre Fußstapfen getreten?

"Ich weiß es nicht! Aber ich unterstütze, wo ich kann, so auch gerade weibliche Musiker. Wir haben auch immer, wenn wir auf Tour gehen, oft Bands dabei, die eine weibliche Frontfrau haben. Es ist schwer, dran zu bleiben! Es ist auch schwer, ja, den Lebensunterhalt damit zu verdienen. Manchmal muss man dann noch einen Job haben und das ist gar nicht so einfach. Also, wenn man wirklich seinen Traum lebt, dann muss man alles dafür geben! Und ich war auch nie so ein Kerlchen, der irgendwie sesshaft bleiben wollte. Ich bin im LKW meines Vaters aufgewachsen, mein Vater war LKW-Fahrer, und ich liebe das auf Tour sein. Ich brauche auch nicht so eine Wohnung, wo ich dann sesshaft bin. Oder auch Familie: Ich habe nie den Wunsch gehabt, ja, mich zu binden! Das spielt natürlich alles eine Rolle. Gerade wenn man Frau ist, dann muss man sich wahrscheinlich auch entscheiden, irgendwann!"

Sie unterstützen die derzeitige Diskussion um die sexuelle Belästigung von Frauen und dass immer mehr sich trauen, darüber öffentlich zu sprechen, Stichwort "#metoo"?

Doro Pesch

"Ja, ja, total! Auch daran mit dem Film-Mogul, also jemand, der Macht hat, der sich dann da alles leistet, das finde ich total gut, dass die Leute das auch mal aufdecken. Find ich total gut! Und wenn man dann so genötigt wird. Also, ich weiß noch, als ich ein Kind war, da war ich oft in so einer Situation. Und da hast du keine Chance und ich glaub, es ist gut, sich auch zusammen zu tun und das öffentlich zu machen. Finde ich schon gut. Dass das auch nicht ewig weitergeht. Bei der BBC war ja auch jemand, der sich auch an Kindern vergriffen hat. Also, ich finde das super, dass gerade auch die Top-Schauspieler drüber reden und versuchen, dagegen vorzugehen. Finde ich total in Ordnung."

Sind Sie selbst auch schon mal in eine "prekäre Lage" geraten? Die Musikszene ist ja nicht gerade zimperlich.

"Also, ich muss sagen, mir persönlich ist nie etwas passiert, außer als ich Kind war. Aber das war auch in einer Zeit, das durfte einfach nicht sein, man durfte auch gar nicht drüber reden! Sonst habe ich mich als Frau mehr wohl gefühlt im Rock- und Metal-Geschäft. Die waren immer superlieb und supportive, die ganzen Kollegen, ob es Bands oder Leute in der Plattenfirma waren. Also, ich hab da nie ein Problem gehabt, weiß aber, dass es vielen Frauen ganz dreckig geht, weil man ist da "wie gefangen" und über "Besetzungscouch" hab ich auch schon oft etwas gehört. In Amerika ist mir aufgefallen, dass es sexistischer war als in Europa. Aber ich selbst bin jetzt nie belästigt worden."

Stand: 02.11.2017, 00:00

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