Live hören
Jetzt läuft: Sit and wait von Sydney Youngblood

Natur erleben für Menschen mit Handicap

Von Andrea Klasen

Menschen, die im Rollstuhl sitzen, einen Rollator nutzen, blind oder sehbehindert sind, können auf Haus Heidhorn trotzdem die Natur genießen. Ein 1,3 Kilometer langer barrierefreier Naturerlebnispfad ist vollkommen auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten.

Natur zum Anfassen. Auf Haus Heidhorn sind verschiedene Lebensräume wie Wald und Wiese, Moor und Teich, Heide und Sandmagerrasen en miniature angelegt worden, damit Menschen mit Handicap ganz nah herankönnen. Im Teich leben Molche, Libellen, Frösche, Insekten und Schnecken. Aus nächster Nähe können sie beobachtet werden.

Rollstuhlfahrer können ganz bequem heranfahren: Hier sind heimische Frösche in Originalgröße nachgebildet. Drückt man auf den entsprechenden Knopf, ertönt ihr Ruf. Für blinde Menschen oder Menschen mit einer Sehbehinderung sind die Informationen in Brailleschrift zu lesen. Außerdem können sie die verschiedenen Entwicklungsstadien eines Frosches mit Hilfe von Figuren aus Kunstharz ertasten.

Als dieses barrierefreie Naturerlebnisgebiet von der NABU-Naturschutzstation Münsterland konzipiert wurde, konnte Lisa Wibben wertvolle Tipps geben: Etwa, dass die Infotafeln schräg angebracht werden, damit es nicht blendet. Außerdem sind die Tafeln und die nachgebauten Lebensbereiche immer auf einer Höhe, die für Rollstuhlfahrer gut einsehbar ist. Am Teichbecken lassen sich sogar Türen aufklappen, damit Besucher im Rollstuhl das Geschehen unter Wasser bequem beobachten können.

Alles auf dem Rundkurs ist perfekt auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern zugeschnitten. Hier wird der Lebensraum Moor erklärt. Das eben gestaltete Naturerlebnisgebiet eignet sich auch hervorragend für Familien mit Kinderwagen oder Laufrädern. Zu entdecken gibt es mehr als genug.

Natur wird hier spürbar. An Teiche oder andere Gewässer können Menschen mit Rollstuhl oft nicht herankommen. Hier sind wir mitten auf dem Wasser des Teiches, in dem auch Ringelnattern leben. Ein Exemplar aus Kunstharz können wir berühren, um zu fühlen, wie lang und schlank ihre Körper sind.

Im Bauerngarten gibt es ein Bienenhaus und eine Infotafel in Wabenform. Hier können die Besucher alles über das Leben der Bienen erfahren. Claudia Knauft-Pieper ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der NABU-Naturschutzstation Münsterland und hat das Projekt "barrierefreies Naturerlebnisgebiet Haus Heidhorn" betreut. Lisa Wibben hat praktische Tipps aus der Sicht einer Rollstuhlfahrerin gegeben.

Die Station "Tiere der Nacht": Hier können wir die Spuren von Dachs, Waldmaus, Reh oder Fuchs ertasten und uns ihre Stimmen anhören. Haben Sie schon einmal das Fiepen einer Fledermaus wahrgenommen? Hier ist es möglich, die Laute der Fledermäuse zu hören.

Das ist der Lieblingsort von Lisa Wibben auf Haus Heidhorn: Der große, hinten liegende Weiher, der umgeben ist von alten Bäumen. Hier könne sie vollkommen entspannen, das Gehirn leeren, Sorgen loslassen und neue Kraft tanken, sagt sie. Ein langer stufenloser Steg führt aufs Wasser. Die Luft ist voller Vogelstimmen.

Noch ein Weiher mit Steg. Es ist immer etwas Besonderes, als Mensch auf dem Wasser zu sein. Irgendwie verschmelzen wir dann mit der Natur und werden ganz still.

"Fun2Go" heißen diese E-Bikes mit drei Reifen. Ideal, um über das Naturerlebnisgebiet Haus Heidhorn hinaus das gut ausgebaute Radwegenetz des Münsterlandes kennenzulernen. Wer etwa gehbehindert ist und trotzdem Rad fahren möchte, kann das Tandem mit einem Fahrer nutzen, der strampelt, und sich einfach mal durchs Grün chauffieren lassen.

Stand: 23.04.2022, 00:00 Uhr