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Spaziergang durch den Geologischen Garten Bochum

Spaziergang durch den Geologischen Garten Bochum

Von Ulrike Modrow

Man braucht kein geowissenschaftliches Vorwissen, um sich an den bunten Gesteinsschichten im Geologischen Garten erfreuen zu können. An insgesamt 17 Stationen, die rings um die ehemalige Wand des Steinbruchs entlang der Aufschlüsse verlaufen und durch Info-Tafeln erklärt werden, kann man hier 300 Millionen Jahre alte Geschichte erleben – oder einfach nur durch einen gepflegten Garten spazieren und die Natur genießen.

Geologischer Garten Bochum

Hinweisschild zum Geologischen Garten, er liegt versteckt in einer tiefen Senke zwischen einem Schulzentrum und einer Kleingartenanlage.

Hinweisschild zum Geologischen Garten, er liegt versteckt in einer tiefen Senke zwischen einem Schulzentrum und einer Kleingartenanlage.

Es geht tief hinein in eine Art Trichter – von 1750 bis 1907 baute hier die Zeche Friederika Kohle und Eisenerz aus einem bis zu 300 Meter tiefen Stollen ab. Ab 1925 betrieb die Zeche hier eine Ziegelei mit Steinbruch, die 1959 stillgelegt und abgerissen wurde. Drei Jahre später wurde das Gelände unter Denkmalschutz gestellt.

Das Gelände wurde 1972 zum ersten Geologischen Garten in der Bundesrepublik umgestaltet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die umliegenden Wände hier sind einzigartig: Deutlich sichtbar ist das schrägstehende, dunkelgraue, rund 300 Millionen Jahre alte Karbongestein aufgeschlossen, in dem auch die Kohle entstanden ist. Direkt darüber befindet sich die hellbraune Sediment-Decke aus der Kreidezeit, die "nur" 90 Millionen Jahre alt ist.

Kluft-Flächen sind Trennbereiche im Gestein, die durch Zerreißen oder Zerbrechen von Gesteinspaketen entstanden sind.

Nicht nur die Steine erzählen von vergangenen Zeiten, auch die Bäume im Geologischen Garten haben ihre Wurzeln in der Vorzeit. Auf den Wiesen stehen Gingko-Bäume und – wie hier – auch Pracht-Exemplare des Urwelt-Mammutbaumes. Sie existierten schon vor vielen tausend Jahren in dieser Form und gleichen den Pflanzen, aus denen vor 300 Millionen Jahren die Kohleflöze entstanden sind.

Zeugen aus der Eiszeit – auf den Wiesen zusammengetragene Findlinge. Zum Beispiel Gneis und roter Granit – die tonnenschweren Brocken wurden einst vom Gletschereis aus Skandinavien hierher transportiert.

Die Wiese ist übersät mit dem abgeworfenen Laub der umstehenden Gingko-Bäume. Betrachtet man die Blätter genauer, wird klar, warum der Gingko auch "Fächerblatt-Baum" genannt wird. Er ist ein lebendes Fossil und gehört zu den ältesten noch immer existierenden Bäumen der Welt.

Diese Station heißt "Steinkohlenwald". Die hier aufgestellten Stümpfe sind Nachbildungen baumartiger Pflanzen aus der Karbonzeit (also vor ca. 300 Millionen Jahren) – u.a. Siegelbäume, Schuppenbäume oder auch Schachtelhalme, die damals bis zu 20 Meter hoch waren.

Zur Kreidezeit wäre Bochum eine Küstenstadt gewesen. Das erfährt man an der nächsten Station – dieser Gesteinsblock z.B. war früher eine Küstenklippe, von der man freien Blick über das Kreidemeer gehabt hätte.

Nur Schauen, nicht Anfassen. Ein Zaun um die Felswände soll vor Vandalismus (und vor Mineraliensammlern) schützen.

Stand: 16.01.2020, 11:17 Uhr