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Zurückschauen auf das Jahr – auf dem Segensweg in Ergste

Inne halten, das Tempo drosseln, das tun wir gerne am Ende eines Jahres, um uns zu sortieren, mit Dingen abzuschließen und neue ins Auge zu fassen. Der Segensweg in Ergste kann uns dabei Denkanstöße geben.

Inmitten von Getreidefeldern liegt die Station "Unser tägliches Brot". Der Künstler Ludger Schüttert hat die Gebetszeile aus dem "Vaterunser" in den Mühlstein gemeißelt. Für viele Menschen auf unserer überbevölkerten Erde ist dieser Ausspruch nicht bloß irgendein Satz, sondern der flehende Wunsch, genug zu essen zu haben. Für viele Mitmenschen, auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, ist das tägliche Brot keine Selbstverständlichkeit.

Im Frühling und im Sommer stellen Ergster regelmäßig Blumen auf den Mühlstein. Als Dankeschön. Der Segensweg führt an insgesamt zwölf Stationen vorbei. Eine Anspielung auf die zwölf Apostel. Von Station zu Station gehend, kann man über den jeweiligen Bibelspruch, der den Künstler inspiriert hat, nachdenken.

Die Johannis-Stiftung der Evangelischen Kirchengemeinde Ergste hat den Segensweg initiiert und heimische Künstler gebeten, ihren christlichen Glauben darzustellen. Am Ergster Bahnhof befindet sich die Segensweg-Station: "Schatzkarten" von der Künstlerin Simone Rynk.

Die Linien erinnern an eine Schatzkarte oder an ein Labyrinth, an Lebenslinien, angebracht an einem Bahnhofsgebäude. Von Bahnhöfen aus starten wir unsere Reisen, machen uns auf den Weg. Und was ist Leben anderes als unterwegs sein? Hier taucht die Frage auf: Wohin will ich eigentlich? Birgt das Leben auch für mich Schätze? – Vielleicht bedeutet Leben der eigenen Schatzkarte zu folgen.

Das Bürgerbad "Elsebad" in Ergste ist eine Institution, über die Stadtgrenze hinaus. Gehegt und liebevoll gepflegt von Ehrenamtlern. Vorbei am Elsebad fließt der Elsebach. Als das Team des Freibads gefragt wird, ob es eine Station des Segensweges gestalten möchte, steht schnell fest: Klar, aber die muss mit Wasser zu tun haben!

Ein bisschen erinnert die Station "Wasser des Lebens" an ein Amphitheater in Miniaturformat. Die Ruhrsandsteine am Elsebach laden zum Hinsetzen, zum Verweilen ein. Jedes Jahr an Pfingstmontag finden hier sogar Taufen statt. Immer ein ganz besonderes Ereignis.

Als die Künstlerin Andrea Schütte auf der Suche nach einem Ort für ihr Kunstwerk ist, fühlt sie sich vom Sportplatz in Ergste sofort angesprochen. Die Worte "Leistung", "Ehrgeiz", "Eitelkeit", "Sponsoren", "Geld" und "Doping" gehen ihr durch den Kopf. Ist nicht auch die Sportwelt voller Verführungen? So wie der pralle Apfel aus dem Garten Eden? Andrea Schüttes "Baum der Erkenntnis" steht am Rande des Parkplatzes und stellt uns die Frage: Wann gerate ich denn in Versuchung?

Der Segensweg führt durch den Ergster Ortskern und vorbei an Wiesen und Feldern, die den Schwerter Stadtteil umgeben. Ländlich ist es hier. Wir bewegen uns zwischen Einsamkeit und Häusersiedlungen. Die große Eiche, unter der sich die Station "Unser tägliches Brot" befindet, ist ein markanter Punkt in der Landschaft.

Die Feuerwehr Ergste befindet sich mitten im Ort. Als der Ergster Künstler Holger Hülsmeyer den Auftrag bekommt, die zwölfte Segensweg-Station an der Feuerwache zu konzipieren, kommt ihm sofort das Andreaskreuz in den Sinn. Es mahnt uns zur Vorsicht. "Zuversicht" heißt diese Station.

Die Gesichter der ins Eichenholz geschnitzten Menschen auf dem Kreuz durchleben verschiedene Gefühlslagen. An dieser Station kommt die Frage auf: Auf wen kann ich mich verlassen, wenn ich in Not gerate?

Stand: 09.12.2021, 12:52 Uhr