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Der Kanzlergarten – lustwandeln in Konrad Adenauers blühendem Refugium in Rhöndorf am Rhein

Was Konrad Adenauer machte, das machte er richtig. Auch das Gärtnern. Seinen Rhöndorfer Garten hatte er zunächst "in Gedanken" geschaffen, bevor er ihn mit Bleistift in einem Schulheft skizzierte und dann in die Tat umsetzte. Herausgekommen ist ein wunderschöner, sehr persönlicher Garten, der italienisches Flair versprüht.

Das Grundstück, auf dem sich Wohnhaus und Garten von Konrad Adenauer befinden, war einmal ein Weinberg. Adenauer kaufte die Parzelle am "Faulen Berg" Anfang 1937, als viele Winzer aufgaben, und fand dort, hoch über Rhöndorf, bis zu seinem Tod 1967 ein Zuhause und einen Rückzugsort.

Da Haus und Garten an einem Hang liegen, hat Konrad Adenauer mit Hilfe von Terrassen und Trockenmauern Platz und Struktur geschaffen. Verschlungene Pfade, Hauptwege und Schleichwege führen den Besucher durch die Blütenpracht hindurch. Die verschiedenen Ebenen des Gartens sind über Treppen miteinander verbunden. Der Garten hat eine Größe von 5000 qm. Im Hintergrund der Arbeits-Pavillon, in dem Adenauer seine Memoiren geschrieben hat.

Adenauers Lieblingsblumen waren Rosen. Er pflanzte jedoch nur Rosen, die dufteten, und kümmerte sich, wann immer er Zeit hatte, um die Pflege dieser edlen Gewächse. Rosenzüchter war er jedoch nie. Davon gibt es nur wenige in Deutschland. Der erste Kanzler der Bundesrepublik (von 1949 bis 1963) beeindruckte jedoch mit großem botanischen Wissen und wusste genau, was er wo pflanzen wollte, als er den Garten plante.

Ihm war es wichtig, dass das ganze Jahr über etwas blüht. Seine Beetrosen taten das bis in den Dezember hinein. Im Sommer können die Besucher die riesigen Lavendelbüsche bewundern, die herrlich duften und viele Insekten anlocken. Bad Honnef gilt als das "rheinische Nizza" und bietet auch wärmeliebenden Pflanzen ideale Bedingungen.

Adenauers Garten hat auch verträumte und verspielte Ecken. Brunnen sorgen für eine angenehme Kühle an schwülen Sommertagen. Der Rheinländer machte in seinen letzten zehn Lebensjahren gerne Urlaub in Cadenabbia am Comer See. Von dort brachte er viele Ideen, Pflanzen, seinen Feigenbaum und zahlreiche Putti mit.

Während seiner Italienurlaube entdeckte er auch seine Begeisterung für das Bocciaspiel. Weil er in Rhöndorf auf keinen Fall darauf verzichten wollte, ließ er sich im oberen Teil des Gartens eine Bocciabahn bauen – mit Flutlicht. Am Bocciaspiel gefiel ihm vor allem – wie in der Politik – das Taktische und das Strategische. Meistens gewann er beim Boccia, verlieren konnte er dagegen nicht so gut.

Vom Anwesen aus hat man einen weiten Blick Richtung Rheintal, in die Eifel und auf den Drachenfels. Zu Adenauers Lebzeiten, als die Bäume in Rhöndorf noch nicht so hoch gewachsen waren, konnte er von hier aus uneingeschränkt den Rhein sehen.

Auch der kleine Innenhof, der von der Küche hinausführt, erinnert an die Innenhöfe und Patios in Südeuropa. In Konrad Adenauers Garten entdeckt man viele Details und spürt, mit wie viel Hingabe er ihn gestaltet und gepflegt hat.

Im unteren Teil des Gartens, wo während des Zweiten Weltkriegs Gemüse für die Selbstversorgung angebaut wurde, befindet sich heute dieser Teich mit Seerosen. Frösche legen hier ihren Laich ab und läuten so jedes Jahr den Frühling in Rhöndorf ein.

Neben dem Gartenteich stehen diese Plastiken: Charles de Gaulle und Konrad Adenauer. Der Franzose war dreimal in Adenauers Privathaus zu Gast und ganz sicher werden die beiden Staatsmänner auch gemeinsam durch den Garten spaziert sein, um die Bande zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu festigen.

Stand: 07.08.2022, 00:00 Uhr