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Weltalzheimertag: Hilfe für Angehörige Demenzkranker

Eine alte Frau stützt sich nachdenklich auf ihrer linken Hand ab

Weltalzheimertag: Hilfe für Angehörige Demenzkranker

Von Christoph Tiegel

  • 1,7 Millionen Demenzkranke in Deutschland
  • Angehörige sind extrem gefordert
  • Rechtzeitig Hilfsangebote nutzen!

Weltalzheimertag: Hilfe für Angehörige Demenzkranker

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 21.09.2019 13:01 Min. Verfügbar bis 20.09.2020 WDR 4

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21. September: Weltalzheimertag

Weltweit sind etwa 46 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Bis 2050 wird die Zahl auf voraussichtlich 131,5 Millionen ansteigen. Seit 1994 finden am 21. September, dem Weltalzheimertag, rund um den Globus vielfältige Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen aufmerksam zu machen. In Deutschland machen die örtlichen Alzheimer-Gesellschaften und Selbsthilfegruppen jedes Jahr mit regionalen Veranstaltungen – Vorträgen, Tagungen, Gottesdiensten, Benefizkonzerten usw. – die Öffentlichkeit auf das Thema Alzheimer und andere Demenzerkrankungen aufmerksam. Damit sollt auf die Situation der rund 1,7 Millionen Demenzerkrankten und ihrer Familien in Deutschland hingewiesen werden. Gegenwärtig ist eine Heilung der Krankheit nicht möglich. Es kann aber durch medizinische Behandlung, Beratung, soziale Betreuung, fachkundige Pflege den Kranken und ihren Angehörigen geholfen werden.

Wie kommuniziert man mit Demenzerkrankten?

Unser Studiogast ist die Psychologin Heike Georg. Sie hat zehn Jahre lang für das Kölner Alzheimer Forum gearbeitet und Angehörige im Umgang mit Erkrankten geschult. "Demenz, das ist lateinisch und bedeutet: vom Verstande weg. Das heißt also: Wir können uns nicht mehr auf Verstandesebene mit dem Erkrankten unterhalten." Man müsse – jedenfalls im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit – lernen, rein auf der Verhaltens- und Gefühlsebene zu kommunizieren, das sei "der Schlüssel zum Umgang mit Menschen mit Demenz". Das Verhalten dementer Menschen kann sehr befremdlich sein. Es ist nicht selten von Angst geprägt. Oder von Aggressivität. Da fällt es auch nahen Angehörigen erstmal schwer, sich einzufühlen, die Perspektive des Betroffenen einzunehmen. Dabei sei es, so Heike Georg, wichtig und hilfreich zu wissen: "Warum ist der jetzt so ärgerlich? Oder wovor hat er Angst?" Nur dann könne man angemessen mit dem oder der Erkrankten umgehen. Ganz wichtig: die oder den Erkrankten zum Beispiel nicht dafür kritisieren, dass er oder sie mehrfach dieselbe Frage stellt, sondern möglichst mit Seelenruhe einfach immer wieder freundlich darauf antworten. Auf Fehler hinzuweisen, wird sie oder ihn nur (zusätzlich) beunruhigen und verunsichern.

Rechtzeitig Hilfsangebote annehmen!

Das Bild zeigt die Hand einer Altenpflegerin, die die Hand eines demenzkranken Mannes hält.

Einen Menschen mit Demenz als Angehöriger zu begleiten, so die Alzheimer-Expertin Heike Georg, "ist eine riesengroße Herausforderung". Nicht selten münde diese in einer psychischen Überforderung. Ihr Appell an Angehörige lautet deshalb: "Öffnen Sie sich rechtzeitig für Hilfsangebote!" Da gebe es inzwischen eine ganze Reihe. Zum Beispiel speziell geschulte ehrenamtliche Betreuer, durch die man sich an einem oder mehreren Tagen in der Woche stundenweise vertreten lassen und so mit ruhigem Gewissen selbst mal ein kurze Auszeit nehmen kann. Viele Angehörige bezweifelten erst einmal, dass ihr betreuungsbedürftiger Mensch eine zunächst fremde Person in dieser Funktion akzeptieren würde. Aber die Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Ehrenamtler-Diensten zeigt, dass es oft einfach nur genügend Geduld und Behutsamkeit braucht, um das nötige Vertrauensverhältnis aufzubauen.   

Stand: 20.09.2019, 10:44