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Wohnen im Alter: Mehr Sicherheit durch digitale Technik?

Eine ältere Frau mit ihrem Gehwagen in einer Wohnung

Wohnen im Alter: Mehr Sicherheit durch digitale Technik?

Von Christoph Tiegel

  • In der eigenen Wohnung unter ständiger Beobachtung
  • Sensoren und Bewegungsmelder erkennen Hilfsbedarf
  • Automatische Benachrichtigung von Pflege- oder Rettungsdienst

Wohnen im Alter: Mehr Sicherheit durch digitale Technik

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter | 04.08.2018 | 15:35 Min.

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Unsicher in der eigenen Wohnung

Möglichst lange selbstständig bleiben und weitestgehend für sich selber sorgen: das möchten wohl die meisten Menschen. Mit zunehmendem Alter wächst bei vielen die Unsicherheit in der eigenen Wohnung. Typisch ist die Sorge, zum Beispiel den eingeschalteten Herd zu vergessen. Oder das Bügeleisen. Oder die Einnahme wichtiger Medikamente. Und was wäre, wenn mir plötzlich schwindelig wird oder wenn ich nachts auf dem Weg ins Bad mal stolpere und stürze und es bleibt unbemerkt, weil ich nicht mehr in der Lage bin, selbst Hilfe herbei zu rufen? Nützlich wäre in solchen Fällen eine intelligente Technik, die zuverlässig solche Problemlagen erkennt und automatisch z.B. an Angehörige, professionelle Pflege oder den Rettungsdienst meldet.

Projekt "Smart Service Power"

Technikunterstütztes Wohnen im Alter: recht weit verbreitet sind da schon seit längerem die am Körper zu tragenden so genannten "Notruffinger" (zur Verständigung eines Rettungsdienstes im Rahmen eines "Hausnotruf"-Systems). Die Dienstleistung "Smart Service Power" – ein international bereits mehrfach ausgezeichnetes Forschungsprojekt im Rahmen der Zukunftsinitiative "„Smart City Dortmund" – kann allerdings deutlich mehr. Mittels speziell vernetzter Bewegungsmelder und Sensoren erkennt das System potentiell gefährliche Auffälligkeiten im Verhalten des Bewohners. Zum Beispiel Stürze. Aber auch versäumte Medikamenteneinnahme.  Kommt ein Hautsensor zum Einsatz, kann sogar eine drohende Dehydrierung erkannt und automatisch gemeldet werden. Es gibt auch eine Sprachfunktion, die den Bewohner gegebenenfalls an bestimmte gesundheitsrelevante Tätigkeiten erinnert (z.B.: "Christel, du hast schon länger nichts mehr getrunken. Bitte trinke doch noch ein Glas!")

Wie diskret ist die Beobachtung?

Bei einer solchen Rundumüberwachung stellt sich für manchen die Frage nach der Diskretion. Natürlich muss das System sämtliche Räume der Wohnung erfassen.

Doch selbst wenn es der eigenen Sicherheit dient, wer würde sich schon zum Beispiel im Badezimmer oder auf der Toilette buchstäblich belauschen oder beobachten lassen? Unser Studiogast Michaela Bonan, zuständige Projektleiterin bei der Stadt Dortmund, beruhigt: "Wir arbeiten ausschließlich mit Sensorik, die Bewegung aufnimmt, aber es gibt keine Kameratechnologie in dem Projekt. Es werden nur Bewegungen und Verhalten erkennbar, nicht der Mensch an sich."

Größeres technisches Verständnis soll zur Nutzung der Basis-Assistenzsysteme in der Praxis nicht erforderlich sein. Im Grunde funktioniert alles automatisch. Technisch versiertere SeniorInnen können auf Wunsch aber auch z.B. über ein Smartphone oder einen Tablet-Computer aktiv mit dem System kommunizieren und Extra-Dienstleistungen bestellen, wie einen Weckruf oder die Erinnerung an einen Termin.

Was kostet die Technik?

Einmalig 1300 Euro wird die technische Grundausstattung einer Wohnung voraussichtlich kosten. Dazu kommen monatliche Betriebskosten, die zwischen 125 und 150 Euro liegen sollen. Möglicherweise, so Michaela Bonan, ergäben sich dafür auch Zuschussmöglichkeiten z.B. über die Pflegeversicherung oder über kommunale Hilfen in besonderen Lebenslagen.

Noch ist "Smart Service Power" in der Entwicklung und wird in zwei Dortmunder Musterwohnungen praktisch erprobt. Projektleiterin Bonan: "Wir hoffen aber, dass wir 2020 soweit sind, dass wir die ersten Modelle in Seniorenheimen, in Pflegeheimen, in Demenzwohnungen aber auch im privaten Bereich einbauen können."

Eines der erklärten Hauptziele des Projektes ist es jedenfalls, älteren Menschen möglichst lange ein Leben im gewohnten Umfeld zu ermöglichen.

Stand: 03.08.2018, 11:30