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Sabbatical: Der Traum vom Aussteigen auf Zeit

Mann und Frau mit großen Rucksäcken.

Sabbatical: Der Traum vom Aussteigen auf Zeit

Raus aus dem beruflichen Alltagstrott! Nicht bloß für ein paar Urlaubswochen, sondern für Monate oder gleich ein ganzes Jahr. Davon kann man träumen. Oder sich wirklich trauen! Am besten gut vorbereitet …

Der Traum vom Aussteigen auf Zeit

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter | 09.09.2017 | 14:34 Min.

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Der Traum von vielen

Ausstieg aus dem Alltag – davon träumt laut verschiedenen Umfragen jeder zweite Deutsche. Von den Befragten, die sich eine berufliche Pause vorstellen könnten, würde sich knapp die Hälfte eine Auszeit von drei bis sechs Monaten wünschen. Fast jeder dritte könnte sich eine Auszeit von bis zu einem Jahr vorstellen. Jeder zehnte würde sogar gerne mal bis zu zwei Jahre aussetzen. Bei den Beweggründen für eine mögliche Auszeit vom Job unterscheiden sich Frauen klar von Männern. Rund zwei Drittel der Frauen würden gerne einen Neustart wagen. Bei den Männern sind es mit rund einem Drittel deutlich weniger. Auch private Probleme oder eine unbefriedigende Jobsituation spielen beim Wunsch nach einer Auszeit für Frauen eine deutlich größere Rolle.

Vielfältige Formen

Wozu eine längere Auszeit nehmen? Um zu reisen. Nah oder fern. Um mal wirklich Zeit für zu haben für sich selbst. Für die Familie. Für ein Hobby. Für ein soziales Projekt in einem Entwicklungsland. Oder für eine ehrenamtliche Tätigkeit im eigenen Stadtviertel. Mancher möchte vielleicht seine Computerkenntnisse an andere weitergeben. Mancher vielleicht selbst eine neue Sprache lernen. Schönerweise gibt es im Grunde so viele unterschiedliche Möglichkeiten wie es Träume oder Wünsche gibt. Um mehre Monate oder gar Jahre jenseits des Alltagstrotts wirklich sinnvoll zu füllen – und auch zu finanzieren! - braucht es allerdings eine gute Vorbereitung. Es gibt einige Ratgeberliteratur zum Thema. Auch professionelle Auszeitberater bieten ihre Hilfe an. Daniela Scholl von der Frankfurter "Auszeitagentur" rät, spätestens ein Jahr vorher mit den Planungen zu beginnen und dabei – gerade auch hinsichtlich der gewünschten Auszeitdauer – "flexibel zu bleiben und zu Zugeständnissen bereit". Also nicht unbedingt auf neun Monaten Jobpause beharren, wenn der Chef maximal (aber immerhin!) sechs anbietet.

Ein Recht auf Auszeit?

Einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical haben gewöhnliche Arbeitnehmer nicht. Und auch längst nicht alle Unternehmen bieten ihren Angestellten eine Auszeit an. Aber nachfragen kostet nichts. Stimmt der Arbeitgeber grundsätzlich zu und existiert in seinem Unternehmen kein festes Ausstiegsmodell, dann müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber wichtige Punkte individuell aushandeln und in einem "Beurlaubungsvertrag" festschreiben. Zum Beispiel: Kann der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin in den Monaten/Jahren zuvor auf ein Arbeitszeitkonto so "einzahlen" (z.B.mit Vollzeitarbeit bei Teilzeitlohn), dass ihm/ihr auch während der Auszeit weiter ein (reduziertes) Gehalt gezahlt wird? Wer zahlt in der Jobpause die Renten- und Krankenkassenbeiträge? Was ist mit betrieblichen Leistungen? Björn Gaul, Fachanwalt für Arbeitsrecht empfiehlt: "Am sichersten ist es, ein ruhendes Arbeitsverhältnis zu vereinbaren, dann lebt der Kündigungsschutz fort. Jubiläumsgelder und Ähnliches werden beispielsweise erworben, das sind die Dinge, die für Mitarbeiter auch sehr wichtig sind."

Aussteiger-Glück

Einmal um die Welt reisen, ein Haus bauen, einen Oldtimer restaurieren – das könnten Pläne sein für ein Sabbatical. Oder man beschließt, wie Armin Dieckmann, drei Monate lang nepalesische Kleinbauern in Marketing und Vertrieb zu unterstützen. Im Himalya, in 4000 Metern Höhe, mit wackeligem Strom und ohne Handyempfang. Für den Manager in der Automobilindustrie war das eine beglückende Erfahrung: "Das war so rührend, dass ich gesehen habe: Die haben mich wirklich gebraucht und ich hab hier was bewegen können. Das war für mich wunderschön, dass Menschen mir gesagt haben: 'Danke, dass Du das getan hast!'" Im alltäglichen Leben als Topmanager in der Industrie sage ihm das doch heute keiner mehr. Da hieße es doch nur: "Das geht doch schneller und besser!"

Stand: 08.09.2017, 00:00