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Was bleibt, wenn jemand geht

Ein Mann stellt eine Grabkerze auf

Was bleibt, wenn jemand geht

Von Anne Debus

  • Letzte Botschaften aufschreiben
  • Lebenserinnerungen als Familienprojekt
  • Wie man in Erinnerung bleiben möchte

Was bleibt, wenn jemand geht

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 21.11.2020 11:28 Min. Verfügbar bis 21.11.2021 WDR 4 Von Anne Debus


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Letzte Botschaften aufschreiben

Zu Gast im WDR 4-Studio ist Helga Müller, die stellvertretende Leiterin des Raphael Hospizes in Arnsberg. Sie erlebt immer wieder, dass todkranke Menschen ihren Angehörigen Briefe hinterlassen. Besonders berührt hat sie eine Mutter, die über Wochen hinweg mithilfe der Hospizmitarbeiter Briefe an ihre beiden Söhne verfasste.

"Sie konnte nicht mehr selber schreiben, aber sie konnte noch gut nachdenken und formulieren. Wir haben dann mit dieser Frau jeden Tag ein Stückchen aufgeschrieben." Nach ihrem Tod bekam der Ehemann die Briefe, er will sie nun zum richtigen Zeitpunkt den Söhnen aushändigen.

Lebenserinnerungen als Familienprojekt

Der 89jährige Johannes ist mehr als 40 Jahre als Schiffsingenieur zur See gefahren und hat viel von der Welt gesehen. Vor zehn Jahren entschloss er sich, sein Leben aufzuschreiben und fragte seine Tochter Kirsten, ob sie ihm dabei helfen wolle. Nun sitzt sie oft am Computer und tippt seine mit Bleistift geschriebenen Erinnerungen ab – an Fahrten durch den Panamakanal, an den Regenwald und exotische Vögel. Viel Arbeit, aber auch eine große Freude, erzählt Kirsten in WDR 4 Mittendrin. Denn dabei lernt sie ganz neue Seiten ihres Vaters kennen:

"Was mich emotional sehr berührt, ist, dass mein Papa so eine konkrete Erinnerung hat. Und ich finde das total schön, weil ich glaube, dass das, was mein Vater tut, nicht viele Menschen tun und er uns damit wirklich ein großes Erbe hinterlässt. Weil er bisher der einzige in der Familie ist, der zur See gefahren ist."

Wie man in Erinnerung bleiben möchte

'Wie möchte ich eigentlich meinen Lieben in Erinnerung bleiben?' Diese Frage stellen sich die meisten von uns erst, wenn sich ihr Leben dem Ende zuneigt. Dabei taugt sie auch gut als Leitfaden für unser Leben heute. Unsere Hörerin Solvey zum Beispiel bemüht sich, so zu leben, dass sie in guter Erinnerung bleibt:

"Ich glaube, dass – wenn ich nicht mehr auf dieser Welt bin – man mich als herzlichen, hilfsbereiten und respektvollen Menschen in Erinnerung behalten wird. Ich sorge dafür, dass ich immer in Kontakt bin mit meinen Menschen, die mir lieb und teuer sind. Natürlich habe ich auch Schwächen, aber ich bin ein Herzensmensch und das lasse ich alle spüren, während ich lebe."

Stand: 20.11.2020, 09:31