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Weihnachten und Musik und ganz große Gefühle!

Weihnachten und Musik und ganz große Gefühle!

Weihnachten und Musik und ganz große Gefühle!

Von Christoph Tiegel

  • "Macht hoch die Tür" und die Emotionen
  • Singen verbindet – notfalls auch telefonisch

Weihnachten und Musik und ganz große Gefühle!

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 28.11.2020 14:42 Min. Verfügbar bis 28.11.2021 WDR 4 Von Anne Debus


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Musik und menschliche Gefühle haben deshalb eine so enge Verbindung, weil erstens das Hören und mehr noch das Machen von Musik große Teile unseres Gehirns aktiviert. "Und weil die Teile, die durch die Musik angeregt sind", sagt unser Experte, der Neurologe Dr. Magnus Heier, "eine unmittelbare Verbindung zum Gefühlszentrum haben, dem Limbischen System."

Dass Musik die Gefühle beeinflusst, könne man "technisch/medizinisch messen und nachweisen." Besonders stark seien die Gefühlsreaktionen, wenn ein Musikstück verknüpft sei mit besonders empfindungsreichen Situationen in unserem Leben. Das Lied "Bright Eyes" von Art Garfunkel zum Beispiel, sagt unser Gesprächsgast, sei ja eigentlich "unglaublich kitschig". Aber für ihn habe es die Nebenerinnerung, dass er dazu zum ersten Mal Blues getanzt habe. "Und das ist eine angenehme Erinnerung!"

"Macht hoch die Tür" und die Emotionen!

Tatsächlich können es ganz unterschiedliche Musikstücke sein, die Menschen stark berühren. Oder auch gefühlsmäßig eher kalt lassen. "O du fröhliche" oder "Macht hoch die Tür" lösen mit hoher Wahrscheinlichkeit in sehr vielen Menschen große Gefühle aus.

"Weihnachten wird es extrem", erklärt Neurologe Magnus Heier, "wir hören ja Lieder, mit denen wir seit der Kindheit zu tun haben." Wenn dann noch Dunkelheit und Kerzenschein dazu kämen oder bestimmte Düfte, "dann erinnern wir uns nicht nur an das Lied, sondern auch an Opa und Oma, an Weihnachtsgeschenke, an feierliches Zusammensein – einfach an: schöne Dinge!"

Gerade in den musikalischen Weihnachtsklassikern ballen sich derart viele Erinnerungen an hochemotionale Momente, steigt der Druck auf die Tränendrüse derart, dass Widerstand zwecklos wird. Magnus Heier: "Dann greifen die Leute zum Taschentuch – weil sie nicht anders können!"

Singen verbindet – notfalls auch telefonisch

Musik macht Miteinander und Austausch möglich, wo Gespräche vielleicht schon verstummt sind. Bei der Begegnung mit einem dementen Menschen, bei dem es mit dem Unterhalten nicht mehr klappt, zum Beispiel mal gemeinsam ein Lied anstimmen? Oder eine alte Platte auflegen? Magnus Heier: "Das ist eine ganz wunderbare Art, auch ganz alte Leute anzusprechen."

Das sei aber grundsätzlich auch gut für junge Menschen. "Musik verbindet in einer Weise und hebt die Stimmung – wirkungsstärker als die meisten Medikamente!" Deshalb sei es auch gerade jetzt in der Coronazeit mit ihren vielen Einschränkungen so wichtig, gemeinsam Musik zu hören oder zu singen – dazu müsse man sich ja nicht im gleichen Raum befinden. Stimmt. Singen verbindet. Notfalls auch (video)telefonisch.  

Stand: 27.11.2020, 09:34