Ein offenes Ohr, die stille Umarmung – was tröstet im Trauerfall?

Betende Hände zieren einen Grabstein

Ein offenes Ohr, die stille Umarmung – was tröstet im Trauerfall?

Von Anne Debus

  • Offen fragen, welche Hilfe Hinterbliebene sich wünschen
  • Bedürfnisse von Trauernden ändern sich
  • "Unter Leute gehen" hilft fast immer

Ein offenes Ohr, die stille Umarmung – was tröstet im Trauerfall?

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 20.11.2021 14:30 Min. Verfügbar bis 20.11.2022 WDR 4 Von Anne Debus


Download

Eine Hinterbliebene erzählt

Luise hat vor einigen Jahren ganz plötzlich ihren Mann verloren, sie konnte sich nicht einmal verabschieden. Dass sie diese schwere Zeit durchgestanden hat, verdankt sie vor allem ihren Freunden, erzählt sie in unserer Sendung:

"Da konnte ich hinkommen und dann haben wir darüber geredet. Und wenn ich gesagt hab, ich möchte wieder nach Hause, dann bin ich nach Hause. Dann hatte ich Freunde, da habe ich mich einfach mit aufs Sofa gesetzt und hab einfach Fernsehen geguckt."

Luise ist dankbar dafür, dass ihre Freunde sie damals zu nichts gedrängt haben. "Es gibt auch Momente, wo du einfach nichts sagen willst, wo du einfach nur jemanden um dich herum brauchst, der dich mag, und wo du merkst: Es ist in Ordnung, es geht irgendwie weiter."

Offen fragen, wie man helfen könnte

Was Luise über ihre Trauerzeit erzählt, hört unsere Studioexpertin Rita Rosner oft. Sie ist Professorin für klinische Psychologie und weiß: Die Bedürfnisse von Trauernden können sich schnell ändern. Wer zuerst Gesellschaft braucht, möchte kurz darauf vielleicht lieber allein sein und nachdenken. An einem Tag möchte man über den Verlust reden, am nächsten lieber abgelenkt werden. Oder einfach nur dabei sein und gar nichts sagen.

Sie rät Angehörigen und Freunden daher, ganz offen zu fragen, was sie für den Trauernden tun können. Und nicht verletzt zu sein, falls eine ablehnende Antwort kommt, sondern nach einiger Zeit erneut Hilfe anzubieten:

"Ein guter Anfang ist, zu sagen: Ich sehe, dass es dir sehr schlecht geht, dass du sehr trauerst. Ich möchte dich so gerne unterstützen in dieser Situation, aber ich weiß nicht wie. Ich könnte vielleicht A, B oder C machen – was meinst du dazu?"

Mal aus dem Haus gehen tut gut

Wer einen geliebten Menschen verloren hat, zieht sich oft zurück und will nur noch zuhause bleiben. Aber gerade, wenn der Todesfall schon eine Weile zurückliegt, sollten Freunde und Verwandte den Trauernden ruhig ermutigen, auch mal das Haus zu verlassen. Wenn er oder sie  ablehnend reagiert, rät Psychologin Rita Rosner zu kleinen Schritten:

"Dann ergibt es Sinn, zu sagen: Lass es uns doch probieren! Wir gehen jetzt eine halbe Stunde und machen was, was dir früher sehr viel Spaß gemacht hat. Und wenn wir zurück sind, können wir schauen, ob es dir gut getan hat oder eben nicht."

In der Tat müsse man das ausprobieren, sagt die Expertin. Den meisten Betroffenen tue es aber gut, wieder unter Leute zu gehen. "Tatsächlich sagen dann viele Trauernde, dass es einem ein klitzekleines bisschen besser geht, wenn man wieder einen Weg zurück ins Leben findet."

Mehr Informationen dazu im WDR

Stand: 19.11.2021, 09:30