Erholungsraum im Stress: Was wird aus unserem Wald?

Angegriffener Wald

Erholungsraum im Stress: Was wird aus unserem Wald?

Von Christoph Tiegel

  • Statt reiner Freude viel Frust im Forst
  • Achtung, brüchiges Trockenholz!
  • Wald der Zukunft ist buntgemischt

Erholungsraum im Stress: Was wird aus unserem Wald?

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 16.10.2021 13:22 Min. Verfügbar bis 16.10.2022 WDR 4 Von Michael Westerhoff


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Der Wald steht still und leidet. Vielerorts liegt er sogar großflächig flach. Landesförster schätzen: Rund 50 Millionen Fichten sind allein in den letzten drei Jahren abgestorben bei uns in Nordrhein-Westfalen.  "Das belastet jeden, der mit Wald zu tun hat", sagt unser Studiogast Frank Rosenkranz, Leiter des Regionalforstamtes Oberes Sauerland.

Am auffälligsten sind für den Laien sicher die vielen braunen Fichten, das geschulte Försterauge erkennt aber auch immer mehr trockenheitsgestresste Laubbäume wie zum Beispiel die Rotbuche. Mit nicht zu unterschätzendem Gefährdungspotential für Spaziergänger. "Anders als die Fichte, wird die Buche sehr schnell instabil", weiß der Forstfachmann. Da bricht dann schnell auch mal was ab. Oder ein Baum stürzt komplett um. Zumal, wenn ein heftigerer Herbstwind weht.

Achtung, brüchiges Trockenholz!

Entsprechend aufmerksam und vorsichtig sollten Naturfreunde sich grundsätzlich im Wald bewegen. Möglichst nicht die markierten Wege verlassen. Keinesfalls herumspazieren, wo gerade Forstarbeiten im Gange sind, so verlockend eine frisch geschlagene größere Schneise auch wirken mag. "Wenn da Erntemaßnahmen stattfinden, wird abgesperrt, weil das ja auch gefährlich ist." Für Leib und Leben.

Förster Frank Rosenkranz erinnert bei dieser Gelegenheit daran, dass man, egal ob als Spaziergänger, Jogger oder Radfahrer, in NRW Wälder immer auf eigene Gefahr betritt, "d.h. man sollte gucken, sind das vorgeschädigte, alte Bestände, wo bereits trockene Äste drin sind". Denen kommt man bei seiner Waldrunde dann besser nicht zu nahe. Allerdings, so Frank Rosenkranz, "gibt es im Sauerland auch sehr viele Alternativen, wo ich auf den ersten Blick erkenne, hier kann ich mich sicher bewegen."

Und welcher Weg führt hinaus aus der aktuellen Waldkrise? In manchen Gebieten, in denen Orkan Kyrill schlimm gewütet hat, sieht man längst mehr als nur Hoffnung wachsen. In einem Wald oberhalb des Sorpesees bei Amecke, vor 14 Jahren "ein Bild des Grauens", wie sich Forstamtmann Friedbert Schulte-Schmale erinnert, sieht man heute gleich acht Baumarten prächtig gedeihen. Neben der Fichte zum Beispiel Weide, Esskastanie, Lärche und Kiefer. Viele schon fünf bis sechs Meter hoch.

"Wenn man durch dieses Waldstück wandert, steigt die Lebensfreude, wenn man so viel Farben sieht", sagt der Sunderner Förster Schulte-Schmale. Und die Wissenschaft sagt: Der Wald der Zukunft dürfte genau so ein bunter Mischwald sein. Weil der nicht nur dem Borkenkäfer sondern auch künftigen klimatischen Zumutungen besser standhalten kann als eine Nadelholz-Monokultur.

Stand: 15.10.2021, 10:51