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Wie das Kind zu seinem Namen kam…

Unterschiedliche Vornamen stehen auf einer Tafel

Wie das Kind zu seinem Namen kam…

Von Christoph Tiegel

Unsere Vornamen suchen wir uns nicht aus. Das haben in der Regel unsere Eltern getan. Sind sie dabei einer Mode gefolgt? Oder einer Familientradition? Oder wollten sie unbedingt ein Kind, das heißt wie kein anderes?

Wie das Kind zu seinem Namen kam...

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 13.06.2020 12:58 Min. Verfügbar bis 13.06.2021 WDR 4

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Mode oder Tradition?

Wer seinen erstgeborenen Sohn zum Beispiel "Florens" nennt, tut das vielleicht, weil es in seiner Familie seit Jahrhunderten Brauch ist. Der 11jährige Florens aus Völlinghausen, den wir in der Sendung kennenlernen, kommt offenbar sehr gut klar mit seinem ungewöhnlichen Namen und der Familientradition: "Ich finde es cool, dass es hier immer so weitergeht."

Insgesamt unterliegen Vornamen modischen Schwankungen, abzulesen an den Namenshitlisten der Gesellschaft für Deutsche Sprache. Die Spitzenreiter im vergangenen Jahr: Hannah und Noah. Gefolgt von Emma, Ben, Mia und Paul.

Zum Vergleich: Im Jahr 1977 wurden die meisten Neugeborenen Stefanie und Christian genannt. Unter die Top 3 schafften es damals bei den Mädchen Christina/Christine und Sandra, bei den Jungs Michael und Stefan.

(Un)erlaubte Namen?

Gabriele Rodriguez von der Namenforschungsstelle der Uni Leipzig berät Eltern und Standesbeamte bei strittigen Vornamen. Dabei richtet sie sich nach allgemein gültigen Regeln.

Der Name sollte einwandfrei als Vorname erkennbar sein. Ebenso unzweideutig sollte er das Geschlecht erkennen lassen, "das ist heute gar nicht mehr so einfach“. Als drittes Entscheidungskriterium nennt die Namensforscherin das Wohl des Kindes: "Der Name sollte das Kind zum Beispiel nicht lächerlich machen."

Ob ein Name zugelassen werde oder nicht, sei manchmal durchaus Auslegungssache. Zum Beispiel der Name Luzifer. "Der hat natürlich Vornamencharakter. Ist männlich." Andererseits sei Luzifer als Synonym für den Teufel bekannt und könnte deshalb dem Namensträger schaden. Gleichwohl gebe es Standesämter, die den Namen zugelassen hätten.

Spätere Änderung möglich?

Was tun, wenn wir mit unserem Vornamen partout nicht einverstanden sind und auch keinen Zweit- oder Drittnamen haben, auf den wir ausweichen könnten? Kann man dann den Vornamen ändern lassen?

Grundsätzlich ja, sagt uns Wolfgang Osterhaus, Standesbeamter in Arnsberg. Aber einfach so gehe das nicht. "Das müssen Sie schon entsprechend begründen. Mögliche Begründungen wären zum Beispiel: ein exotischer Vorname, eine Verwechslungsgefahr oder ein Vorname, der lächerlich und anstößig klingt."

Insgesamt werden nur vergleichsweise wenige Änderungswünsche zugelassen. Antragsteller sollten auch wissen, dass eine Namensänderung mit Kosten verbunden ist. Wolfgang Osterhaus: "Da können locker schon für den Standardfall 250 Euro an Gebühren entstehen. Selbst bei Ablehnung kostet das noch Geld."

Und wer seinen Namen erfolgreich ändern lasse, habe natürlich mit Folgekosten zu rechnen, z.B. für die Neu-Ausstellungen von Personalausweis, Reisepass und Führerschein.

Stand: 12.06.2020, 09:34