Hör mal, wer da zwitschert: Vogelstimmen erkennen!

 Braunkehlchen sitzt auf einer Wiesenpflanze

Hör mal, wer da zwitschert: Vogelstimmen erkennen!

Von Christoph Tiegel

  • Vogelparadies Stadtgarten
  • Was und warum wird gesungen?
  • Weltweites "Morgenchor"-Projekt

Hör mal, wer da zwitschert: Vogelstimmen erkennen!

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 30.05.2020 12:04 Min. Verfügbar bis 30.05.2021 WDR 4 Von Michael Westerhoff

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Vogelparadies Stadtgarten

Deutlich weniger Verkehr auf unseren Straßen und auch am Himmel wurde durch den Corona-Lockdown Platz für andere, äußerst angenehme Geräusche: Wie schön das zur Zeit zwitschert und tiriliert überall im Land! In Gärten, in Hinterhöfen. Besonders vielstimmig ist der Vogelgesang in unseren Stadtparks. Thomas Griesohn-Pflieger, leidenschaftlicher Hobby-Ornithologe aus Hattingen, erklärt das so:  "Städtische Parks haben eine höhere Artenvielfalt als Wälder. Das liegt einfach an der Struktur. Wir haben Wiesenflächen, alte Bäume, junge Bäume, Heckenstrukturen, wir haben Beete, wo Amseln nach Würmern suchen können." Bis zu 30 verschiedene Vogelarten tummeln sich da. Die alle an ihrem Gesang zu erkennen, eventuell sogar imitieren zu können, dafür braucht es durchaus einiges an Übung. Vogelkundler Griesohn-Pflieger fing damit vor 50 Jahren an – lange bevor es Vogelstimmen-CDs oder spezielle Apps gab. "Viele Gesänge kann man nach zwei oder drei Jahren gut lernen: Kleiber, Kohlmeise, Buchfink, die eigentlich immer gleich singen. Bei anderen Vogelarten ist es schwierig – Grasmücken zum Beispiel, da braucht man 20 Jahre, um dafür ein Gefühl zu bekommen."

Warum Vögel singen

Weiß der Hobby-Ornithologe denn auch, was die Vögel da eigentlich singen, beziehungsweise, warum sie das eigentlich tun? Thomas Griesohn-Pflieger: "Ich behaupte ja, die singen auch zum Spaß! Es wurde früher immer gesagt, es sind Kampfgesänge: Hau ab, hier ist mein Revier! Aber von Amseln wissen wir, dass die oft im Duett singen und man weiß auch, dass die Amselfrauen einen Amselmann bevorzugen, der gut singt, der oft singt. Es ist also viel mehr als Reviergesang - sondern auch ein gegenseitiges Messen und eine Demonstration von Eleganz, von Schönheit und Attraktivität!"

Weltweites "Morgenchor"-Projekt

Wie elegant und schön Vögel singen, und zwar überall auf der Welt, das belegt gerade sehr eindrucksvoll ein internationales Natur- und Kultur-Projekt. Es heißt "Dawn Chorus" ("Morgenchor") und ermuntert die Menschen, mit ihren Smartphones das frühmorgendliche Vogelkonzert vor ihrer Haustür aufzunehmen und die Aufnahmen auf der eigens dafür geschaffenen Internet-Plattform hochzuladen. Anke Michaelis von der Nantesbuch-Stiftung berichtet in unserer Sendung über Hintergründe, Ziele und erste Erfolge des Projektes. Nordrhein-Westfalen ist übrigens das Bundesland, aus dem bislang die meisten Vogelstimmen-Aufzeichnungen kommen.

Stand: 29.05.2020, 13:06