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Unliebsame Wahrheiten: Verschweigen oder raus damit?

Älteres Paar geht händchenhaltend durch den Wald

Unliebsame Wahrheiten: Verschweigen oder raus damit?

Von Christoph Tiegel

  • Mit Ich-Botschaften arbeiten
  • Wahrheiten dürfen auch wehtun
  • Beziehung braucht Aufrichtigkeit

Unliebsame Wahrheiten: Verschweigen oder raus damit?

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter | 15.09.2018 | 11:38 Min.

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Soll ich es ihr, ihm oder ihnen wirklich sagen? Und falls ja, wie bloß? Sich tatsächlich ein Herz fassen und offen ansprechen, was für uns selbst oder unser Gegenüber sehr wahrscheinlich unangenehm, peinlich oder verletzend ist: Vieles spricht dafür. Und es gibt Formulierungshilfen.  

Zwei Arten von unliebsamen Wahrheiten

Unser Studiogast, die Kommunikationstrainerin Stephanie Katerle, unterscheidet grundsätzlich zwei Arten von unliebsamen Wahrheiten: erstens solche, "die man anderen Menschen mitteilt über die – also: mich stört an Dir, dass…" und zweitens solche "über einen selbst – also: ich hab Eigenschaften, Angewohnheiten oder irgendetwas getan, was ich anderen Menschen nicht so ohne weiteres offenbaren möchte".
Im ersten Fall könnte man sich zum Beispiel über Gewohnheiten des Kollegen oder des Partners wiederholt geärgert haben, zum Beispiel: Er oder sie verhält sich im Restaurant unhöflich zum Kellner und als dessen Begleitung findet man das sehr peinlich. Wie bringt man so eine unangenehme Wahrheit am besten rüber?

Gewaltfreie Kommunikation

Expertin Stephanie Katerle empfiehlt Aussagen im Sinne einer "gewaltfreien Kommunikation". Im Fall des Paares mit dem Kellner würde die ungefähr so gehen: "Wenn ich sehe, dass Du den Kellner anpfeifst, dann ist mir das unangenehm und ich habe keinen Spaß mehr an unserem Ausgehen, weil ich Harmonie brauche. Kannst Du das bitte mir zuliebe beim nächsten Mal ändern?"
Von einer "Ich-Botschaft" ausgehend, sagt man, was einen stört und was man geändert haben möchte. Aber bitte "grundsätzlich nicht in der brisanten Situation selbst, sondern in einem ruhigen Moment, vielleicht sogar an einem ruhigen Ort".
Ein Waldspaziergang eigne sich da besonders gut, "da kann man eigentlich alles besprechen, weil man dann auch körperlich die Möglichkeit hat, die innere Erregung direkt in Bewegung umzusetzen".

Wahrheit darf auch wehtun

Das Ehepaar vor der Scheidung

Warum scheuen wir uns davor Unbequemes an- oder auszusprechen? Weil wir uns vor möglichen Konsequenzen fürchten. Oder auch weil wir dem Gegenüber nicht unnötig wehtun wollen. Allerdings glaubt die Kommunikationsexpertin und Paarberaterin Stephanie Katerle, "dass man in bestimmten Punkten dem anderen auch mal eine Wahrheit oder eine Selbstoffenbarung zumuten muss". Wenn man immer nur "in seiner eigenen Komfortzone" bleibe, also im Bereich dessen, womit der andere sowieso und ganz sicher einverstanden sei, dann gebe es "irgendwann nix mehr worüber man reden kann". Sich mit einer unangenehmen Wahrheit zu offenbaren, kann außerdem sehr befreiend wirken.

Aufrichtigkeit in der Partnerschaft

In einer Paarbeziehung, sagt der Familientherapeut Stephan Potting, sei gegenseitige Aufrichtigkeit in entscheidenden Fragen zwingend notwendig, weil die Wahrheit die Grundlage unserer Beziehungswelt sei: "Wir müssen uns darauf verlassen können, was der andere uns mitteilt." In einer Beziehung könne eine/r auf Dauer ohnehin kaum völlig verheimlichen, dass es da eine unausgesprochene, mit unguten Gefühlen verbundene Wahrheit gibt, denn: "Nahestehende Menschen spüren das." Sofern eine Wahrheit etwas mit dem anderen zu tun habe, müsse sie raus, auch wenn sie noch so schwierig sei und womöglich jahrelang verschwiegen wurde. Wenn man aufrichtig ist und in einer deutlicher Sprache dem anderen ehrlich mitteilt, aus welchem Motiv heraus man (auf heutiger Sicht vielleicht fragwürdig) gehandelt habe, dann, so der Paartherapeut, "gibt es eine Klarheit im Kontakt".

Stand: 14.09.2018, 00:00