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Eine Person nimmt eine Tablette mit Wasser ein

Zu groß, zu klein, rutscht nicht? – Tipps rund um die Tablette

Stand: 13.05.2022, 10:14 Uhr

Ärzte schätzen, dass etwa die Hälfte aller verordneten Medikamente ungenutzt im Schrank liegen und verfallen. Wohl auch, weil das Einnehmen Schwierigkeiten macht. Bei WDR 4 Mittendrin gibt eine Hausärztin Tipps rund um Pillen und Kapseln.

Von Anne Debus

Zu groß, zu klein, rutscht nicht? Tipps rund um die Tablette

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 14.05.2022 13:07 Min. Verfügbar bis 14.05.2023 WDR 4 Von Anne Debus


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Die richtige Technik hilft

Wenn die Pille einfach nicht herunterrutschen will, liegt es oft an der Körperhaltung: Im Liegen ist es schwer, Tabletten einzunehmen. Auch das Sitzen ist nicht optimal, weil dabei der Körper abgeknickt ist und der Bauch zusammengedrückt wird. Am besten rutschen Pillen und Kapseln im Stehen.

Zu große Tabletten lassen sich oft auch teilen. Oder man kann sie mörsern und dann als Pulver übers Essen oder in ein Getränk streuen. Ähnliches gilt für Kapseln, die ein Granulat enthalten – oft kann man sie öffnen und den Inhalt ohne die Hülle zu sich nehmen. Das sollte man aber mit dem Arzt absprechen.

Und wenn die Pille steckenbleibt?

Manchmal passiert es einfach: Eine Tablette bleibt in der Speiseröhre hängen. Dann sollte man vor allem ruhig bleiben und viel Flüssigkeit nachtrinken. Sagt unsere Studioexpertin Anke Richter-Scheer, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe und selbst Hausärztin.

Und keine Panik, wenn auch ein großes Glas Wasser die Pille vermeintlich nicht hinunter spült. Durch die Kombination aus Flüssigkeit und Körperwärme löse sich jede Tablette irgendwann auf, sagt die Ärztin: "Manchmal hat man auch einfach nur das Gefühl, die sitzt da noch! Aber in Wirklichkeit ist sie schon längst weiter gerutscht."

Zu groß, zu klein? Muss nicht sein.

Nicht nur zu große Tabletten können Probleme bereiten. Gerade ältere Menschen haben oft auch mit sehr kleinen Pillen Schwierigkeiten, weil sie sie nicht mehr greifen können.

In all diesen Fällen sollte man unbedingt den Hausarzt um Rat fragen. Oft gibt es große Tabletten von einem anderen Hersteller auch in kleinerer Form, oder mit einer glatteren Oberfläche. Oder der Arzt kann denselben Wirkstoff in einer ganz anderen Darreichungsform verschreiben: Etwa als Tropfen, Saft oder Zäpfchen.

Mit Tee, Milch, Saft oder Wasser?

Tabletten schluckt man am besten mit viel Flüssigkeit. Aber nicht jede Flüssigkeit verträgt sich mit jedem Medikament, erklärt Hausärztin Anke Richter-Scheer in unserer Sendung:

"Klassisches Beispiel ist das Antibiotikum Doxycyclin. Da sagen wir immer: Zwei Stunden vorher und nachher keine Milchprodukte zu sich nehmen. Oder Grapefruitsaft, der hat Wechselwirkungen mit Marcumar, einem gerinnungshemmenden Medikament."

Und es gebe noch viele andere solcher Unverträglichkeiten. Tipp der Ärztin: "Das Vernünftigste ist: Nehmen Sie Wasser! Leitungswasser oder Mineralwasser. Und nehmen damit Ihre Tabletten ein. Dann sind Sie auf der sicheren Seite." Ebenfalls unbedenklich seien Tee und Kaffee.