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Ein Mädchen öffnet ein Türchen an einem Adventskalender

Die Süße der Kindheit – unsere Liebe zur Schokolade

Stand: 01.10.2022, 00:00 Uhr

Pro Kopf und Jahr essen wir Deutschen fast zehn Kilogramm Schokolade. Aus unseren Kindheitserinnerungen ist Schokolade nicht wegzudenken. Bei WDR 4 Mittendrin sprechen wir mit einem Wissenschaftler darüber, was Schokolade im Kopf auslöst und sammeln Ihre Kindheitsgeschichten rund um bunt verpackte Süßigkeiten.

Von Anne Debus

Die Süße der Kindheit – unsere Liebe zur Schokolade

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 01.10.2022 15:01 Min. Verfügbar bis 01.10.2023 WDR 4 Von Anne Debus


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Von Osterhasen, Adventskalendern und Schokoeis

Fast jeder von uns hat Kindheitserinnerungen an Schokolade. Für die 50jährige Ursula aus Krefeld zum Beispiel ist die Erinnerung an ihre Oma untrennbar verknüpft mit den Katzenzungen, die es bei jedem Besuch dort gab.

Für Gisela waren die Schoko-Figürchen aus dem Adventskalender immer "irgendwie heilig", ihr Bruder dagegen aß gleich am ersten Tag den ganzen Kalender leer. Und wenn sie nicht aufpasste, den von Gisela gleich dazu.

Judith aus Tönisvorst und ihr Bruder hatten ihre ganz eigene Verwendung für Schoko-Figuren: Die Geschwister ließen Weihnachtsmänner und Osterhasen vorsichtig im Topf schmelzen und gossen sie dann in ein Eiswürfelfach – fertig war das Schokoeis!

Machen Inhaltsstoffe der Schokolade glücklich?

Woran aber liegt es, dass Schokolade in so vielen Kindheitserinnerungen auftaucht? Und dass wir auch als Erwachsene so gerne zu Schokolade greifen?

Lange Zeit hieß es, der Grund dafür sei der Stoff Tryptophan im Kakao. Unser Körper wandelt ihn in Serotonin um, einen Botenstoff, der sich positiv auf unsere Stimmung auswirkt. Macht Schokolade also auf chemischem Wege glücklich?

Unser Studiogast, der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Michael Schaefer, winkt ab – dazu sei die Konzentration des Tryptophans in der Schokolade zu gering. "Also, dazu müssten wir schon gewaltige Mengen verputzen. Da würden wir wohl eher Bauchweh bekommen, als dass wir tatsächlich aufgrund des Tryptophans glücklicher würden!"

Die Kraft der schönen Erinnerungen

Unser Studioexperte Dr. Michael Schaefer vermutet eher eine psychologische Wirkung. Denn als Kinder bekamen wir Schokolade vor allem an Festtagen wie Weihnachten und Ostern. "Das weckt viele positive Gefühle und Erinnerungen in uns. Und dadurch haben wir wahrscheinlich so ein wohliges, glückliches Gefühl, wenn wir Schokolade genießen."

Das wirkt bis in unser Sozialverhalten hinein. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich Menschen nach dem Verzehr von Schokolade freundlicher verhalten als nach einem salzigen Snack. Nach einem süßen Snack stufen sie auch Gesichter als attraktiver ein.

Offenbar auch eine Folge von Assoziationen – schon in früher Kindheit verknüpfen wir süßen Geschmack mit Vertrauen und Liebe, wahrscheinlich schon wegen der süßen Muttermilch. Zudem ist uns die Vorliebe für Süßes angeboren, ein Erbe der Evolution. Denn ein süßer Geschmack signalisiert überlebenswichtige Kohlenhydrate.