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Geld im Ruhestand

Wenn die Rente nicht reicht... Ruhestand in Krisenzeiten

Stand: 29.10.2022, 00:00 Uhr

Da hat man ein Leben lang gearbeitet, und trotzdem reicht die Rente nicht zum Leben. Erst recht nicht, wenn plötzlich die Energiekosten und überhaupt alle Preise explodieren. Bei WDR 4 Mittendrin sprechen wir über mögliche Hilfen.

Von Anne Debus

Wenn die Rente nicht reicht... Ruhestand in Krisenzeiten

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 29.10.2022 16:47 Min. Verfügbar bis 29.10.2023 WDR 4 Von Anne Debus


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Grundsicherung beantragen!

Wer weniger als 865 Euro Rente bekommt, sollte prüfen lassen, ob er oder sie Anspruch auf die so genannte "Grundsicherung" hat. Das macht aber nicht einmal die Hälfte aller Menschen, die wahrscheinlich Anspruch darauf hätte. Schade, meint unser Studiogast Carsten Ohm, Leiter für Sozialpolitik und Bildung beim Sozialverband VdK in NRW:

"Das ist für den Staat natürlich eine Ersparnis. Aber die Menschen, denen das Geld eigentlich zustünde, und die am Ende des Monats nicht mehr wissen, wie sie Medikamente, notwendige Therapien oder auch nur die nächste Butter für 3,80 Euro bezahlen sollen, die schneiden sich damit ins eigene Fleisch."

Er rät: Im Zweifel unbedingt zum Sozialamt gehen und den Antrag stellen! Der ist zwar 16 Seiten lang. Es gibt aber Beratungsstellen, die beim Ausfüllen helfen. Zum Beispiel bei den Wohlfahrtsverbänden. Und falls die Grundsicherung abgelehnt wird, kann man noch versuchen, Wohngeld zu bekommen; das beantragt man bei der Kommune:

https://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/rentenpolitik/78790/grundsicherung_rente_aufstocken?dscc=essenc

Gute Nachrichten: Zum Jahreswechsel ändert sich einiges!

Ab 2023 bekommen noch mehr Menschen Anspruch auf Grundsicherung, denn dann treten einige Gesetzesänderungen in Kraft. Das betrifft zum Beispiel den so genannten "Vermögensschonbetrag", erzählt unser Studioexperte.

Zur Zeit darf man nämlich nur 5.000 Euro Vermögen haben, um Grundsicherung zu bekommen – alles darüber hinaus muss erst aufgebraucht werden. Dieser Betrag verdoppelt sich mit dem kommenden Jahr, dann darf man 10.000 Euro behalten. Auch ein angemessenes Auto darf man ab 2023 behalten – bislang musste man das erst verkaufen.

Auch bei den Wohnkosten gibt es eine wichtige Änderung. Zur Zeit kann es sein, dass man in eine kleinere Wohnung ziehen muss, bevor man Grundsicherung bekommen kann. Ab dem Jahreswechsel wird diese Regelung für die ersten zwei Jahre nach der Antragstellung ausgesetzt. Man kann also Grundsicherung beantragen, ohne die Sorge, dafür aus der liebgewonnenen Wohnung ausziehen zu müssen.

"Tafeln" speziell für Senioren

Man möchte auch mal Hilfe bekommen, ohne erst seitenlange Anträge zu stellen. Sich mit anderen austauschen, denen es ähnlich geht. Dafür gibt es neben den herkömmlichen "Tafeln" jetzt auch erste spezielle "Seniorentafeln" – ein Pilotprojekt im Raum Dortmund.

Dort gibt es nicht nur haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel. Sondern auch praktische Hilfe, wenn die Waschmaschine den Geist aufgegeben hat. Oder Ausflüge mit dem Bus, um sich einfach mal in Gemeinschaft zu entspannen. Die beiden Trägervereine, die dort zusammenarbeiten, arbeiten sogar daran, Nebenkostennachzahlungen von Senioren zu übernehmen.