Ein Mann zeigt auf seine Uhr während seine Nachbarin den Rasen mäht

In guter und schlechter Nachbarschaft

Stand: 17.09.2022, 00:00 Uhr

Die meisten wollen wohl in guter Nachbarschaft leben. Doch nicht immer klappt das. Was kann ich tun, wenn es mit dem Nachbarn so gar nicht funktioniert?

Von Michael Westerhoff

In guter und schlechter Nachbarschaft

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 17.09.2022 12:33 Min. Verfügbar bis 17.09.2023 WDR 4


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Konflikte in der Nachbarschaft

Selbst bei schönstem Sonnenschein sitzt Versicherungsangestellte Claudia im Schatten. "Die Linde vom Nachbarn ist ein Monster geworden", klagt die Bonnerin: "Der Garten ist den halben Tag beschattet". Die 45-jährige ist verzweifelt: "Wir haben alles versucht, wir haben gesprochen, es nutzt nichts". Der Nachbar sei nicht bereit, den Baum zu beschneiden oder gar abzuholzen."

So ein Streit am Gartenzaun gehört zu den häufigsten Konflikten zwischen Nachbarn: der Strauch, der in den Nachbargarten wächst, der Apfelbaum, der seine Früchte nicht nur auf dem eigenen Grundstück abwirft, Geruchsbelästigung durch Grillen oder eben die Linde, die riesige Schatten wirft. Aber auch laute Nachbarn oder Nachbarn im Mietshaus, die den Hausflur nicht putzen, sorgen immer wieder für Streitigkeiten.

Tipps zum Lösen von Konflikten

An dieser Stelle kommt Ingo Aulbach ins Spiel: Der Oberhausener ist Mediator. Er versucht zu vermitteln, bevor ein Fall vor Gericht geht. "Wir versuchen zusammen mit Beteiligten Lösungen zu erarbeiten, mit denen beide leben können", erklärt Aulbach seinen Job. Gerichtsverfahren sorgten häufig für eine weitere Eskalation, weil die unterlegene Partei dann in einer anderen Frage Recht bekommen wolle. So schaukele sich alles auf.

Häufig gehe es erst einmal darum, wieder Kommunikation herzustellen, wenn Nachbarn beispielsweise seit Monaten oder gar Jahren nicht mehr miteinander reden. "Wir versuchen zu verstehen, was das Anliegen ist, und gehen dann alleine zum anderen Nachbarn". In einem zweiten Schritt versucht Aulbach dann, beide Seiten zusammen an einen Tisch zu bringen. Am Ende des Prozesses steht eine gemeinsame schriftliche Vereinbarung zwischen den Nachbarn. Nach drei bis sechs Monaten fragt Aulbach dann einmal nach, ob der Kompromiss gehalten hat, und steuert ggf. nach.

"Wir sind deutlich preiswerter als Anwälte", sagt Aulbach. 80 bis 120 Euro pro Stunde kostet ein Mediator. In der Regel braucht es fünf Stunden, bis eine Lösung gefunden sei. "Teil der schriftlichen Vereinbarung ist häufig, dass sich beide Parteien die Kosten teilen." Einige Rechtsschutz-Versicherungen übernehmen die Kosten. 

Toleranz gegenüber Nachbarn

Und wie klappt gute Nachbarschaft? "Leben und leben lassen", sagt Aulbach. Geben und nehmen sei zwischen Nachbarn wichtig: "Wenn ich mal eine lange Party feiere, fühlt er sich vielleicht gestört. Aber wenn ich toleriere, dass er mal was Qualmendes und Riechendes auf seinen Grill wirft, er dann auch nicht Zoff macht, dann ist das ein gutes Miteinander. Toleranz ist gefragt."