Sprechen mit viel Heimatgefühl: Mundart und Dialekte

Das Wort Muttersprache als Dialekt im Duden

Sprechen mit viel Heimatgefühl: Mundart und Dialekte

Von Christoph Tiegel

  • Viele mögen Mundart und Dialekte
  • Plattdeutsch – was ist das eigentlich?
  • Mundart: nicht modern, aber spannend!

Sprechen mit viel Heimatgefühl: Mundart und Dialekte

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 18.01.2020 12:48 Min. Verfügbar bis 17.01.2021 WDR 4 Von Anne Debus

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Mögen Sie Mundart?

Der eine mag besonders die Dortmunder Mundart "vor allem dieses Floppige" findet er "einfach herrlich!". Die andere, selbst aus Norddeutschland stammend, mag das "Datt und Watt" der heimischen Küstenregion, findet aber auch die Kölsche Mundart schön, "weil das was ist, was man nicht alltäglich hat". Die meisten Menschen, die wir in der Dortmunder Fußgängerzone zum Thema befragt haben, mögen Dialekte. Allerdings mögen auch nicht alle alles: "Das Sächsische empfinde ich nicht als besonders schön. Manche kann man auch schlecht verstehen, die Bayern z.B., wenn die so richtig bayrisch sprechen – nicht die Großstädter, aber auf dem Land – dann muss man schon genau hinhören."

"Plattdeutsch": Was ist das eigentlich?

Was ist das eigentlich: "Plattdeutsch"? Diese Frage beantwortet unser Studiogast Dr. Markus Denkler, Geschäftsführer der westfälischen Kommission für Mundartforschung, so: "Von der Nordseeküste bis zum Saarland runter nennen die Menschen ihre jeweils eigene ortsübliche altüberlieferte Sprache 'Platt'." In der Wissenschaft spreche man eher von "Niederdeutsch" – und zwar in Abgrenzung zu mitteldeutscher und oberdeutscher Mundart. Sprachlich, so der Mundart-Experte, sei gerade Nordrhein-Westfalen besonders interessant, weil hier so viel zusammenkomme. Da gebe es das Niederdeutsche im Norden, also Westfalen, stark mit dem Niederländischen und Englischen verwandt. Dazu kämen "merklich andere Mundarten und Dialekte" am Niederrhein und "südlich davon noch das Rheinische, also mitteldeutsche Mundarten, die doch wieder ganz anders klingen als das Niederdeutsche im Norden."

Was macht Mundart so spannend?

"Als Sprachwissenschaftler findet man jede Sprache spannend", sagt unser Studiogast Markus Denkler. Bei unseren Mundarten sei es so, dass hier "was über Jahrhunderte unsere kommunikativen Welten bestimmt hat" als "riesige Vielfalt" ausgeprägt habe. Das sprichwörtliche "in jedem Ort ein wenig anders", das ist aus Sicht des Mundart-Experten das besonders Spannende an Mundarten und Dialekten. Sie seien ein Kulturgut, das eigentlich aktiv gepflegt und lebendig gehalten werden müsse. Die Frage sei nur, wie? Die Nachfrage nach Plattdeutsch-Unterricht an unseren Schulen dürfte sehr gering sein. Zumindest ein bisschen wird uns die alte Sprache wohl trotzdem noch erhalten bleiben, durch Mundart-Begriffe in unserer Alltagssprache – zum Beispiel: "Knäppchen" (von plattdeutsch "Knapp" = Hügel) für das Endstück des Brotes oder "pöhlen" (von "Poahl" = Pfahl) für treten bzw. Fußball spielen.

 

Stand: 18.01.2020, 13:07