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Seniorin in Reha

Medizinische Reha – Chance auf einen gesundheitlichen Neuanfang

Stand: 20.08.2022, 00:00 Uhr

Nach Krankheit oder Unfall soll die medizinische Reha – von Rehabilitation, lateinisch für "Wiederherstellung" – Menschen dabei unterstützen, wieder gesund und fit für den (Arbeits-)Alltag zu werden. Gute Sache. Nur, wie kommt man da ran? Wo kommt man da hin? Und was steht da so auf dem Programm?

Von Christoph Tiegel

Medizinische Reha - Chance auf einen gesundheitlichen Neuanfang

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 20.08.2022 13:10 Min. Verfügbar bis 20.08.2023 WDR 4 Von Michael Westerhoff


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Eine medizinische Reha ist (eigentlich) keine Kur. Auch wenn die beiden Begriffe umgangssprachlich gerne mal vertauscht werden. Bei einer Reha-Maßnahme, so erklärt es Katja Braubach von der Deutschen Rentenversicherung (DRV Bund), geht es grundsätzlich um die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit einer kranken Person ("Reha vor Rente"). Kostenträger für eine Reha ist in der Regel die gesetzliche Rentenversicherung. Eine Kur, von der Krankenkasse oder privat finanziert, ist auch eine gesundheitsfördernde Maßnahme, aber eher für Menschen, die – wie z.B. Altersrentner – nicht mehr in die Erwerbsfähigkeit zurückgeführt werden müssen.

Anspruch auf eine Reha

Wer hat Anspruch auf eine ambulante oder stationäre Reha-Maßnahme? Katja Braubach von der DRV nennt zwei Voraussetzungen: Die betreffende Person muss erstens Beitragszahler und zweitens durch Krankheit oder Behinderung in der Erwerbsfähigkeit gefährdet oder bereits eingeschränkt sein. Grundsätzlich kann der Versicherte den Antrag alleine stellen. Meistens geschieht dies allerdings in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Dies sei, so Katja Braubach "auch sinnvoll, weil der auch für uns einen Befundbericht ausfüllen muss. Der Arzt muss das ja auch befürworten und dahinter stehen."

Antrag stellen

Den Antrag auf eine Reha kann man online stellen. Man kann sich dabei auch unterstützen lassen, indem man zum Beispiel das (kostenfreie) Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung anruft (0800-10004800). "Wer mehr Hilfe braucht, kann auch den Antrag in einem Telefongespräch über unsere Auskunfts- und Beratungsstellen ausfüllen lassen", sagt Katja Braubach von der DRV. Wer die Papierform vorziehe, könne die Antrags-Formulare auf der Website finden und selber ausdrucken oder sie sich per Post zuschicken lassen und sie dann ausgefüllt zurückschicken.

Wunsch- und Wahlrecht

"Unsere Versicherten haben ein Wunsch- und Wahlrecht", sagt Katja Braubach, dürfen sich grundsätzlich also auch selbst eine bestimmte Region für ihre Reha aussuchen (z.B. Ostsee) oder sogar eine ganz bestimmte Reha-Klinik. Solche Wünsche müssten im Antrag vermerkt bzw. beigefügt werden. So weit wie möglich würden sie dann auch berücksichtigt. Allerdings nur, wenn die persönliche Auswahl des Versicherten tatsächlich zur entsprechenden Diagnose passt und es sich bei der Wunschklinik um ein Vertragshaus der Rentenversicherung handelt.

Antrag abgelehnt – was dann? 

Nicht jeder Antrag auf eine Reha wird direkt bewilligt. Wird sie abgelehnt, muss man das als Antragsteller aber nicht einfach so hinnehmen. Man kann gegen den Ablehnungsbescheid dann (begründeten) Widerspruch einlegen. Auch dabei sollte man wieder den behandelnden Arzt zu Rate ziehen, um mit ihm die Ablehnungsgründe zu entkräften. Die Widerspruchsfrist beträgt allerdings (nur) einen Monat. "Für manche ist das dann doch ein bisschen knapp", weiß Katja Braubach, "aber es reicht auch, wenn man erstmal schreibt: "Ich lege gegen den Bescheid Widerspruch ein – Begründung wird nachgereicht."

Was in der Reha passiert

Nach einer Aufnahmeuntersuchung und einem ausführlichen Gespräch mit dem zuständigen Arzt erhält man seinen individuellen Behandlungsplan mit (abhängig von der vorliegenden Erkrankung) z.B. Massageanwendungen, Atemtherapie und Bewegungseinheiten. Katja Braubach: "Man bekommt praktisch ein komplettes Behandlungsprogramm verordnet, mit mehreren Anwendungen am Tag. Also das ist keine Erholung – man ist den ganzen Tag beschäftigt.

Nach der Reha-Regeldauer von drei Wochen entscheidet der Arzt, ob er eine Verlängerung auf sechs Wochen sinnvoll ist. Katja Braubach: "Grundsätzlich alle vier Jahre darf man eine Rehabilitation wiederholen." Ausnahme: onkologische, also Krebserkrankungen. "Da bekommt man nach einem Jahr bereits wieder eine Rehabilitation."