Ein Long-Covid-Patient macht ein Atemtraining in einem Gymnastikraum einer Reha-Klinik für Post-Covid Erkrankte

Wenn Corona nicht wieder weggeht – was tun gegen Long- und Post-Covid?

Stand: 23.09.2022, 17:09 Uhr

Eigentlich hat man COVID-19 überstanden. Trotzdem ist man weiter völlig erschöpft, unkonzentriert, kaum belastbar: Rund jeder zehnte Corona-Patient leidet an Spätfolgen der Krankheit. Bei WDR 4 Mittendrin sprechen wir mit dem Lungenfacharzt Doc Esser darüber, wie man sie behandelt.

Von Anne Debus

Wenn Corona nicht wieder weggeht – was tun gegen Long- und Post-Covid?

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 24.09.2022 17:12 Min. Verfügbar bis 24.09.2023 WDR 4 Von Anne Debus


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Eigentlich genesen, aber trotzdem krank

Seit Corinna aus Langerwehe vor etwa einem Jahr COVID-19 hatte, geht es ihr schlecht. Neben einer ständigen starken Erschöpfung hat sich bei ihr auch eine Muskelschwäche entwickelt, für längere Strecken braucht sie einen Rollstuhl. Ihr früheres Leben? Praktisch vorbei. "Die Selbständigkeit ist eingeschränkt, die Wege, die ich machen kann, sind auch eingeschränkt ... da ist nicht mehr viel übrig."

Corinna leidet unter Spätfolgen von COVID-19. Die Ärzte unterscheiden dabei zwei Begriffe: Mit "Long-Covid" bezeichnen sie Beschwerden, die auch vier Wochen nach der akuten Infektion noch bestehen. Bei "Post-Covid" dauern die Symptome auch nach mehr als drei Monaten noch an, so wie bei Corinna. Oder es kommen sogar neue hinzu.

Diese Langzeit-Symptome können im Prinzip alle Organe betreffen. Typisch sind etwa Atemnot, Herzprobleme, starke Erschöpfung, dauernde Müdigkeit, Konzentrations- und Wortfindungsstörungen. Viele der Betroffenen können kaum noch ihren Alltag bewältigen.

Die Diagnose ist schwierig

So etwas wie einen Bluttest auf Post-Covid gibt es noch nicht. Die Ärzte müssen per Ausschlussverfahren bestimmen, ob Corona die Symptome ausgelöst hat oder ob es andere organische Ursachen gibt. Weil die Beschwerden oft so unspezifisch sind, berichten Betroffene immer wieder davon, dass Ärzte sie nicht ernst nehmen.

Auch Corinna hat diese Erfahrung gemacht: "In meinem Fall sind es fünf Fachärzte gewesen, plus die ganzen Ärzte aus dem Krankenhaus. Und über die Hälfte davon steht vor einem – man sieht es richtig, fast wie mit Leuchtschrift auf der Stirn geschrieben – "du Simulant"! Das zieht total runter."

Die beste Anlaufstelle: Post-Covid-Ambulanzen

Die offizielle Diagnose "Post-Covid-Syndrom" bekam Corinna schließlich in einer speziellen Post-Covid-Ambulanz. In solchen Einrichtungen arbeiten Ärzte fächerübergreifend zusammen.

Allerdings sind viele dieser Ambulanzen überlastet, man muss mit Wartezeiten rechnen. Und auch die Behandlung ist oft langwierig, denn eine Therapie, die allen Betroffenen hilft, gibt es noch nicht – die Ärzte können nur die einzelnen Symptome behandeln. Und das leider nicht immer erfolgreich, sagt unser Studioexperte Doc Esser:

"Die gute Nachricht ist ja: Bei einem Großteil der Patienten kommt es zu einer vollständigen Rückbildung. Das kann allerdings sehr sehr lange dauern. Ein nicht unerheblicher Anteil der Patientinnen und Patienten scheint es aber auch chronisch zu haben."