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"Es war einmal" – Die Lieblingsmärchen unserer Kindheit

Stand: 30.07.2022, 00:00 Uhr

Bei WDR 4 Mittendrin sammeln wir Erinnerungen an die Märchenstunden unserer Kindheit. Und sprechen mit der Präsidentin der Europäischen Märchengesellschaft über die Geschichte der Märchen.

Von Anne Debus

"Es war einmal" – Die Lieblingsmärchen unserer Kindheit

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 30.07.2022 12:18 Min. Verfügbar bis 30.07.2023 WDR 4 Von Anne Debus


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Die Vorlesestunden der Kindheit

"Es war einmal" oder "Und wenn sie nicht gestorben sind ..." – Schon diese wenigen Worte genügen, um uns ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln. Erinnern sie uns doch an gemütliche Vorlesestunden im Bett oder auf Mamas Schoß. Oder an selbstvergessene Stunden vor dem Kinderplattenspieler, auf dem sich eine Märchenplatte drehte.

In der Familie von Sabine Wennmacher aus Grevenbroich-Hülchrath zum Beispiel war die Oma die Märchenerzählerin. Ihren Erzählstoff für die Kinder bezog sie aus bunt bebilderten Märchenbüchern, gedruckt noch in Sütterlin-Schrift: "Meine Großmutter saß immer in der Küche auf der Eckbank, hatte ein Butterbrot mit Quark und einen Kakao vor sich. Und dann hat sie uns Märchen erzählt. Das war sehr schön – einfach gemütlich!"

Märchen sind international

Viele von uns gehen davon aus, Märchen seien ein typisch deutsches Kulturgut. Aber weit gefehlt – Motive aus den deutschen Märchen finden sich in ähnlicher Form überall auf der ganzen Welt, zum Teil tauchen sie schon in Erzählungen aus Antike und Mittelalter auf.

Deshalb sind Märchen im Grunde eine Ermutigung zur Völkerverständigung. Sagt unsere Studioexpertin Sabine Lutkat, Präsidentin der Europäischen Märchengesellschaft: "Es ist einfach so, dass es in den tradierten Volksmärchen um grundlegende menschliche Erfahrungen geht. Und bei diesen ganz existenziellen Erfahrungen, da sind wir Menschen uns auf der ganzen Welt gar nicht so unähnlich. Und das zeigen die Märchen – weil wir uns auf der ganzen Welt ähnliche Geschichten erzählen!"

Nicht rosaroter Zuckerguß, sondern ein Stück echtes Leben

Märchen sind oft nichts für Zartbesaitete. Da werden junge Mädchen in hundertjährigen Schlaf versetzt, Kinder vom bösen Wolf gefressen oder von den eigenen Eltern im finsteren Wald ausgesetzt. Dennoch spricht das nicht gegen Märchen als Vorlesestoff. Im Gegenteil – gerade darin liegt ihre Stärke, meint Märchenfachfrau Sabine Lutkat: "Es hat damit zu tun, dass sie eben vom Leben erzählen. Und unser Leben ist auch nicht durchgängig Zuckerschlecken. Sondern wir müssen uns auch immer wieder mit Lebensbedrohlichem, zumindest im übertragenen Sinn, auseinandersetzen."

Ebenso wie die Figuren im Märchen. Insofern können Märchen gerade Kindern Mut machen, sich Schwierigkeiten zu stellen. Denn, trotz aller Dramatik im Mittelteil: Märchen gehen immer gut aus!