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Künstliche Gelenke – Wunderheilmittel oder letzter Ausweg?

Ein Arzt ueberprueft waehrend einer Hueft-OP den Sitz des Hueftimplantats an einem Monitor

Künstliche Gelenke – Wunderheilmittel oder letzter Ausweg?

Von Anne Debus

  • Etwa jeder zehnte Gelenkersatz ist kein Erfolg
  • Vorher alle anderen Therapien ausschöpfen
  • Operation in spezialisierter Klinik durchführen lassen

Künstliche Gelenke Wunderheilmittel oder letzter Ausweg?

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 22.06.2019 12:24 Min. Verfügbar bis 21.06.2020 WDR 4

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Rettung bei unerträglichen Schmerzen

Ein künstliches Knie oder eine künstliche Hüfte ist oft eine echte Erlösung. Die 64-jährige Claudia erzählt, dass sie nach einem Sportunfall unter Arthrose in beiden Knien litt. "Ich konnte nicht länger als zehn Minuten laufen, ich hab' es vor Schmerzen nicht ausgehalten. "

Heute hat Claudia zwei künstliche Kniegelenke und kann Bewegung wieder genießen. Trotz gelegentlicher Schmerzen macht sie lange Spaziergänge und geht sogar tanzen.

Jede zehnte Operation ist kein Erfolg

So segensreich ein künstliches Gelenk sein kann – es gibt keine Garantie dafür, dass es einem damit besser geht als vorher. Sagt unser Studioexperte Dr. Johannes Schenkel, der ärztliche Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD):

"Bei circa einem von zehn operierten Menschen führt das nicht zu langfristig befriedigenden Ergebnissen." Außerdem komme es bei ungefähr fünf Prozent der Operationen zu Komplikationen. Dazu zählen gefährliche Infektionen.

Der richtige Zeitpunkt für einen Gelenkersatz

Eine Prothese sollte man sich nicht zu früh einsetzen lassen, und zwar nicht nur wegen der Operationsrisiken. Kunstgelenke haben nur eine begrenzte 'Lebensdauer', meist geht man heute von etwa 20 Jahren aus.

Unser Studioexperte rät deshalb, sich möglichst nicht mit unter 60 Jahren operieren zu lassen. Je jünger man sei, desto höher das Risiko, dass die Prothese später ausgetauscht werden muss. Solche Austauschoperationen aber hätten ein erhöhtes Komplikationsrisiko.

Erst alle anderen Therapien ausschöpfen

Bevor man sich für eine Prothese entscheidet, sollte man alle anderen Therapien versucht haben. Eine deutsche Forschergruppe hat dazu genaue Kriterien festgelegt:

Demnach sollte man über einen längeren Zeitraum eine Bewegungstherapie machen (z. B. Physiotherapie und Wassergymnastik), vom Arzt verordnete Entzündungshemmer einnehmen und falls nötig abnehmen (schon fünf Prozent Gewichtsabnahme können helfen).

Erst wenn all das nach drei bis sechs Monaten die Schmerzen nicht ausreichend lindert, sollte man ein Kunstgelenk in Betracht ziehen.

Stand: 21.06.2019, 00:00