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Krebsfrüherkennung: Je kleiner der Tumor, desto besser die Chancen

Frauengespräch

Krebsfrüherkennung: Je kleiner der Tumor, desto besser die Chancen

Von Anne Debus

  • Früherkennungsuntersuchungen können Leben retten
  • Manchmal führen sie allerdings zu überflüssigen Behandlungen
  • Deshalb ist es sinnvoll, sich vorher zu informieren

Je kleiner der Tumor, desto besser die Chancen

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 21.08.2021 13:22 Min. Verfügbar bis 21.08.2022 WDR 4 Von Anne Debus


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Früherkennung als Lebensretter

Wenn ein Tumor entdeckt wird, noch bevor er Tochtergeschwülste bildet, hat man die beste Chance auf Heilung. Deshalb belohnen viele Krankenkassen die Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen mit Bonusprogrammen. Solche Untersuchungen sind aber rein freiwillig – niemandem entstehen Nachteile, wenn man sie ablehnt.

Brustkrebs-Screening und Darmspiegelung

Etwa jede siebte Frau erkrankt irgendwann an Brustkrebs. Dann ist es entscheidend, die Krankheit früh zu erkennen, so der Radiologe Joachim Ripplinger vom Brustdiagnostischen Zentrum Mamonova in Köln. Denn ein Brusttumor kann erst dann Metastasen bilden, wenn er Blutgefäße oder Lymphbahnen erreicht, und dieses Risiko wächst mit seiner Größe.

Das Brustkrebs-Screening ist eine Röntgenuntersuchung. Wer sich Sorgen wegen der Strahlung macht: Bei den modernen heutigen Geräten ist die viel niedriger als früher. Die geringste Strahlenbelastung entsteht bei der so genannten "digitalen Vollfeldmammographie".

Ebenfalls empfehlenswert: Die Darmspiegelung zur Darmkrebsvorsorge. Darmkrebs entwickelt sich sehr langsam aus gutartigen Vorstufen und die kann man direkt bei der Untersuchung schonend entfernen. So kann man die Erkrankung nicht nur früh erkennen, sondern sogar verhindern.

Risiko Überdiagnose

Früherkennungsuntersuchungen haben auch Nachteile: Dabei können Krankheitsvorstufen entdeckt werden, die sich vielleicht nie bemerkbar gemacht hätten. Man spricht dann von einer "Überdiagnose".

Das Problem dabei: Meist wird dann sicherheitshalber eine Krebsbehandlung mit all ihren Belastungen durchgeführt, obwohl die möglicherweise unnötig ist.

Besonders umstrittene Untersuchungen

Bei manchen Krebs-Früherkennungsuntersuchungen sind die Ergebnisse so zweifelhaft, dass die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen.

Dazu zählt bei Männern die PSA-Untersuchung auf Prostatakrebs: Hier komme es bei tausend Untersuchungen zu etwa sechzig Überdiagnosen, so Dr. Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland.

Bei Frauen steht besonders die routinemäßige Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke in der Kritik. Laut IGel-Monitor werden in Folge dieser Untersuchung "bei etwa drei von hundert Frauen gesunde, nicht krebserkrankte Eierstöcke entfernt".

Vorsicht bei Selbstzahler-Untersuchungen

Wenn Krankenkassen die Kosten einer Untersuchung nicht übernehmen, die Patienten also selbst zahlen müssen, spricht man von einer "individuellen Gesundheitsleistung", kurz "IGel".

Der Nutzen solcher Untersuchungen ist oft nicht klar erwiesen. Empfiehlt einem der Arzt eine "IGel", kann man um Bedenkzeit bitten und sich zunächst informieren, etwa auf der Internet-Plattform IGel-Monitor.

Stand: 20.08.2021, 08:52