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Köstliche Erinnerungen: Der Geschmack der Kindheit

Mädchen sitzt vor einem Teller Nudeln

Köstliche Erinnerungen: Der Geschmack der Kindheit

Von Anne Debus

  • Jedes Gericht kann zum Lieblingsessen werden
  • Essen verbindet sich in der Erinnerung mit Gefühlen
  • Das macht es schwer, Kindheitsgerichte nachzukochen

Köstliche Erinnerungen: Der Geschmack der Kindheit

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 07.11.2020 13:43 Min. Verfügbar bis 07.11.2021 WDR 4 Von Anne Debus


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Jedes Essen kann Lieblingsspeise werden

Fragt man Menschen nach ihren Lieblingsessen aus der Kindheit, bekommt man erstaunlich unterschiedliche Antworten. Der 54jährige Christian aus Salzkotten etwa hat eine Leibspeise, die so gar nicht nach Kindergericht klingt: die typisch ostwestfälische "Grütze". "Das ist ein Fleischbrei, der zur Winterzeit hauptsächlich gemacht wurde. Die Metzger haben den aus Würsten gemacht die geplatzt sind, die man so nicht mehr verkaufen konnte. Das wurde hauptsächlich mit Pellkartoffeln gegessen ... sehr lecker! Etwas herb, was Deftiges..."

Überhaupt stehen Eintöpfe auf der Hitliste der Lieblingsessen aus der Kindheit weit oben, von Schnippelbohnensuppe über Möhreneintopf bis hin zu Kartoffelstampf. Ganz oben mit dabei auch: Nudeln mit Tomatensauce und – natürlich – die Süßspeisen.

Die Erinnerungen sind entscheidend

Warum sind die Lieblingsspeisen aber so unterschiedlich? Unser Studiogast Simon Reitmeier hat ein Buch über dieses Thema geschrieben: "Warum wir mögen, was wir essen". Seine Antwort: Nicht das Essen ist entscheidend, sondern die Erinnerungen, die wir damit verknüpfen. Essen sei immer etwas Emotionales:

"Das fängt schon nach der Geburt an. Man bekommt die erste Mahlzeit von der Mutter. Dann liegt man schön warm im Arm und hat die Verbindung von Sattwerden und einem schönen Gefühl." So verknüpfen sich Geruch und Geschmack von Essen oft mit einer positiven Erinnerung. Isst man ein Gericht später wieder, ruft es Situation und Gefühle wieder wach, "wie eine kleine Zeitreise".

Keiner kocht wie Mama oder Oma

Lieblingsgerichte aus der Kindheit nachkochen? Das ist schwierig, gerade weil sie so eng mit Menschen und Situationen verknüpft sind. Das kennen viele Mütter, die versuchen, für ihre Kinder Essen genau so zu kochen, wie es die Großmutter gemacht hat. Und die dann nur in lange Gesichter blicken, weil es eben doch nicht genau so schmeckt wie bei Oma.

Kein Wunder, meint Geschmacksfachmann Simon Reitmeier: "Die Mütter kriegen es nie so genau hin, weil da eben viele Komponenten mitspielen. Und weil auch teilweise Dinge eine Rolle spielen, die sich gar nicht im Kochtopf abspielen, sondern in unserer Erinnerung."

Stand: 07.11.2020, 10:48