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Ständig "müssen müssen" – was tun gegen Inkontinenz?

Eine Frau schließt den Reißverschluss ihrer Jeans-Hose über einer Inkontinenz Windel

Ständig "müssen müssen" – was tun gegen Inkontinenz?

Von Anne Debus

  • Inkontinenz lässt sich meistens behandeln
  • Gegen die Reizblase helfen Tabletten oder Botox
  • Spezialisten findet man an Kontinenz-Zentren

Ständig "müssen müssen" was tun gegen Inkontinenz?

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 10.10.2020 15:56 Min. Verfügbar bis 10.10.2021 WDR 4 Von Anne Debus


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Kein Grund, sich zu genieren

Immer wieder Tröpfchen in der Unterwäsche – den meisten Betroffenen ist das so peinlich, dass sie nicht darüber sprechen und auch nicht zum Arzt gehen. Dabei ist Inkontinenz eine Volkskrankheit. Bei den 70-Jährigen sind etwa 40 Prozent davon betroffen, sowohl Männer als auch Frauen. Es geht also vielen so.

Ursachen abklären lassen

Oft ist das Tröpfeln einfach eine Alterserscheinung, oder bei Frauen eine Folge von Schwangerschaften. Dann kann schon gezielte Beckenbodengymnastik helfen. Es gibt aber auch viele andere Ursachen. Inkontinenz kann etwa eine Nebenwirkung von Herz-Kreislauf-Medikamenten sein oder durch Blasenentzündungen oder Diabetes ausgelöst werden. Auch Übergewicht oder Verstopfung können mit verantwortlich sein.

Unser Studioexperte Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik am ev. Krankenhaus Witten, rät deshalb, als erstes immer vom Arzt die Ursache abklären zu lassen.

Die beiden häufigsten Formen

Ärzte unterscheiden mehrere Formen der Inkontinenz. Bei der Belastungsinkontinenz verliert man immer dann Urin, wenn sich der Druck im Bauch erhöht, z.B. beim Lachen, Husten oder schweren Heben. Die Schließmuskeln sind zu geschwächt, um dem Druck standzuhalten.

Bei der Dranginkontinenz oder Reizblase haben die Betroffenen ständig das Gefühl, zu "müssen", werden auf der Toilette aber nur geringe Mengen los. Manchmal läuft schon etwas Harn aus, bevor sie die Toilette erreichen.

Verschiedene Möglichkeiten der Behandlung

Gegen die Reizblase gibt es gut wirksame Medikamente. Reichen die nicht aus, kann man die Überaktivität der Blase auch mit einer Botox-Injektion dämpfen. Die Kosten übernimmt die Kasse, die Wirkung hält bis zu einem Jahr an.

Bei Belastungsinkontinenz kann Beckenbodengymnastik sehr wirksam sein. In schweren Fällen hilft bei Frauen eine Operation, bei der der Arzt ein Kunststoffband um die Harnröhre legt. Männern wird eher ein künstlicher Schließmuskel implantiert.

Wo man Hilfe bekommt

Spezialisten findet man an 'Beckenbodenzentren' oder 'Kontinenzzentren'. Das Besondere: Hier haben sich Ärzte verschiedener Fachrichtungen – meist Urologie, Gynäkologie und Chirurgie – zusammengeschlossen und behandeln die Inkontinenz fachübergreifend.

Stand: 09.10.2020, 09:40