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Eine Frau sitzt auf einem Sessel und fasst sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Brust und den Rücken (gestellte Szene)

Herzinfarkt: Symptome ernst nehmen – schnell reagieren!

Stand: 22.04.2022, 14:50 Uhr

Jedes Jahr erleiden in Deutschland mehr als 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Die Zahl der dadurch verursachten Todesfälle ist rückläufig, was unter anderem an der guten Notfallversorgung liegt. Extrem wichtig hierfür: entsprechende Symptome ernst nehmen und unverzüglich klären lassen!

Von Christoph Tiegel

Herzinfarkt: Symptome ernst nehmen, schnell reagieren!

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 23.04.2022 12:25 Min. Verfügbar bis 23.04.2023 WDR 4


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Wie macht sich ein Herzinfarkt bemerkbar? Typischerweise durch starke Schmerzen im Brustbereich, die länger als fünf Minuten anhalten und oft in andere Körperbereiche ausstrahlen. Manchmal werden die Schmerzen von Betroffenen als starkes Brennen beschrieben. Weiteres typisches Anzeichen: ein heftiges Engegefühl in der Brust. Dazu können eher unspezifische Symptome kommen wie Übelkeit, Erbrechen und Atemnot. Auch ein starkes Angstgefühl, begleitet von kaltem Schweiß und Blässe.  

Grundsätzlich gilt: Ein Herzinfarkt ist ein Notfall. Mit unklaren Brustschmerzen sollten Sie unverzüglich eine Notaufnahme aufsuchen, um die Ursache klären zu lassen.

Unterschiede zwischen Mann und Frau

Gibt dann ein EKG sofort sicheren Aufschluss? "Ein Infarkt muss sich nicht immer im EKG direkt zeigen", sagt unser Studiogast, der Kardiologe Dr. Andreas Kleemann. Bestimmte Infarktformen ließen sich nur über Laboruntersuchungen sicher bestätigen.

Er weist auch darauf hin, dass gerade bei betroffenen Frauen die typischen Herzinfarkt-Symptome oft ausbleiben: "Es ist nicht immer das Typische, Druck und Schmerz in der Brust." Bei Frauen seien es häufig plötzliche Leistungsminderung, Kurzatmigkeit und starke Müdigkeit, die auf eine akute Herzerkrankung hinweisen könnten. "Beim Mann ist es eher dieses Druckgefühl, diese Enge, die dann in Hals oder Arm ausstrahlt."

Typische Risikofaktoren

Als typische Risikofaktoren nennt Dr. Andreas Kleemann "Übergewicht, Bewegungsarmut, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte". Sehr bedeutsam sei neben dem persönlichen Lebensstil auch die familiäre Disposition. "Es gibt Menschen, die z. B. eine sehr ausgeprägte Fettstoffwechselstörung haben, wo in der Familie häufig schon zwischen 20 und 40 die ersten Infarkte auftreten." Menschen mit so einer "familiären Belastung" sollten "besonders darauf achten, z. B. nicht mit dem Rauchen anzufangen, sich regelmäßig zu bewegen, gesunde Ernährung einzuhalten". Ein gesundheitsbewusstes aktives Leben sei kein hundertprozentiger Schutz, stelle aber eine wichtige und richtige Vorbeugung für schwere Herzerkrankungen dar.

Empfehlungen für das Leben danach

Welche ärztlichen Empfehlungen gibt es für das Leben nach dem Herzinfarkt? Verstärkt aufs Körpergewicht achten, auf ausreichend Bewegung, herzgesunde (nicht zu fette) Ernährung. Bekannte Risikofaktoren wie hohe Cholesterinwerte und Bluthochdruck intensiver – bei Bedarf auch medikamentös – behandeln, "um eine Vorbeugung zu haben, damit nicht erneut etwas passiert".

Kann man auch Sport treiben nach dem Herzinfarkt? Sofern schnell und erfolgreich auf den Infarkt reagiert werden konnte, z. B. durch den Einsatz eines sogenannten Stents (kleines Gittergerüst zur Gefäßerweiterung) und sofern kein zu großer Schaden am Herzen eingetreten sei, spreche grundsätzlich nichts gegen Sport.

Sport treiben nach dem Herzinfarkt?

Erstmal brauche es nach einem Eingriff aber mindestens eine Woche körperliche Schonung, sagt der Kardiologe. In der Regel schließe sich an einen Infarkt und die Akut-Behandlung (Stent-Einsatz) eine Reha-Maßnahme an, wo man auch zu sportlicher Aktivität die nötigen Informationen und Empfehlungen bekommt. In den ersten Wochen würde man auf jeden Fall "maximale Belastung vermeiden wollen und ein abgestuftes Training, abgestimmt auf den Betroffenen beginnen". Bei größeren Schäden am Herzen brauche es eine entsprechend behutsamere, langsamere Rückkehr zu körperlicher Aktivität, z. B. in speziellen Herzsportgruppen.