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Wenn mein Haustier mich zum Niesen bringt ...

Close-up of girl cuddling with young cat

Wenn mein Haustier mich zum Niesen bringt ...

Von Christoph Tiegel

·    Tierallergien auf dem Vormarsch
·    Mehr Katzen- als Hundeallergiker
·    Tierliebe und Allergie vertragen sich nicht

Wenn mein Haustier mich zum Niesen bringt

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 13.04.2019 11:35 Min. Verfügbar bis 12.04.2020 WDR 4

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Tierisch allergisch

Hund, Katze, Maus – in vielen Haushalten leben Tiere, besonders, wenn Kinder da sind, möchten viele nicht auf tierischen Familienanhang verzichten. Denn Tiere tun gut, gelten als die besten Freunde des Menschen, aber sie gehören leider auch zu den häufigsten Allergieauslösern in Innenräumen. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass ungefähr zehn Prozent der Deutschen auf Tiere reagieren. Die meisten von ihnen auf Katzen oder Hunde. Aber auch Meerschweinchen, Kaninchen oder Mäuse, um nur einige Beispiele zu nennen, können Allergikern das Leben schwer machen. Tierallergiker reagieren bei direktem Kontakt mit Tieren oder wenn Tiere in der Wohnung waren im Grunde mit den typischen Heuschnupfensymptomen, also laufender oder verstopfter Nase, Niesreiz, Augentränen oder -jucken und in extremeren Fällen mit asthmatischen Beschwerden, wie pfeifender Atmung und Kurzatmigkeit.

Wen trifft es und warum?

Woran liegt es eigentlich, dass manche Menschen auf Tierhaare allergisch reagieren und andere nicht? "Die Frage ist wirklich schwer zu beantworten", sagt unser Studiogast, der Hautarzt und Allergologe Prof. Randolf Brehler von der Uni-Klinik Münster, aber allgemein lasse sich feststellen: Die Zahl der Allergiker steigt, auch die der so genannten Soforttypallergien. Dazu gehören neben dem weit verbreiteten Heuschnupfen oder allergischem Asthma eben auch die Haustierallergien, da vor allem die Katzenallergie. Ganz genau sagen könne man nicht, warum Allergien auf dem Vormarsch seien, so der Experte: "Lebensumstände, Ernährung, Bakterien, alle möglichen Dinge spielen da eine Rolle." Übrigens sind es, genau genommen, gar nicht die Tierhaare selbst, die bei entsprechend empfindlichen Menschen zu allergischen Reaktionen führen, sondern daran anhaftende Speichelproteine und Hautschuppen. Die Katzenallergie, so unser Studiogast, sei in Deutschland tatsächlich nicht nur deutlich häufiger, sie verlaufe meistens auch in den Symptomen heftiger als die Hundeallergie.

Wie wird man die Beschwerden los?

Es gibt wie bei anderen Allergien auch so genannte Hyposensibilisierungs-Therapien. Dass die helfen können, ist zumindest für die weit verbreitete Katzenallergie ganz gut durch Studien belegt. "Wenn man eindeutig feststellen kann, dass die Katze schuld ist an den Beschwerden", so Allergologe Brehler, "dann kann man heute eine Spritzenbehandlung durchführen, wir nennen das eine spezifische Immuntherapie." Katzenallergene werden dabei unter die Haut gespritzt und mit steigenden Dosierungen wird der Patient nach und nach wieder unempfindlich gemacht. Währenddessen weiter mit dem Auslöser der Beschwerden, sprich: der eigenen Katze, unter einem Dach zu leben, sei aus ärztlicher Sicht allerdings nicht zum empfehlen, sagt unser Studiogast. Auch die Therapie könne schwerwiegende Reaktionen auslösen. Darum gelte in  Deutschland eigentlich die Devise: "Haustiere abschaffen VOR der Immuntherapie!" Besser natürlich erst gar keins anschaffen, wenn man selbst oder jemand in der Familie nachweislich Haustierallergiker ist. Das sollte man also unbedingt prüfen lassen, bevor man sich ein Tier ins Haus holt. Und so vermeiden, dass es womöglich irgendwann aus medizinischen Gründen zu einer sehr schmerhaften Trennung kommen muss.   

 

Stand: 12.04.2019, 00:00