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Wiederentdeckt: ein Herz für Handgeschriebenes!

Illustratorin und Handlettering-Spezialistin, schückt das Wort Frühling mit Tropfen-Elementen aus.

Wiederentdeckt: ein Herz für Handgeschriebenes!

Von Christoph Tiegel

Was schreiben Sie heutzutage eigentlich noch so richtig von Hand? Den Einkaufszettel? Eine Glückwunschkarte? Viel mehr ist es ja oft nicht. Entgeht uns tatsächlich etwas, wenn wir Texte nur noch tippen? Und was genau suchen Menschen in so genannten "Handlettering"-Kursen?

Wiederentdeckt: ein Herz für Handgeschriebenes!

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 23.03.2019 13:59 Min. Verfügbar bis 22.03.2020 WDR 4

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Wir tippen längst mehr als wir schreiben

Haben Sie in letzter Zeit mal einen Brief von Hand geschrieben? Mit einem Stift? Einem Kugelschreiber? Oder gar einem Füllfederhalter? Dann haben Sie womöglich auch festgestellt: Irgendwie scheint die Hand ein bisschen eingerostet. Kein Wunder, schließlich haben die meisten von uns PC's und Tablets und Smartphones und tippen viel mehr als sie schreiben. Richtig von Hand geschrieben werden höchstens noch Einkaufszettel oder mal eine Grußkarte. Dabei heißt es, beim Schreiben mit der Hand sei der Kopf besonders beteiligt. Das bestätigt auch unser Studiogast Dr. Christian Marquardt vom gemeinnützigen Verein "Schreibmotorik Institut": "Das Handschreiben ist ein komplexer, sehr hochkoordinierter, feinmotorischer Vorgang". Studien würden belegen, dass das Gehirn in vielen verschiedenen Arealen im Vergleich zum Tippen viel aktiver sei. Wortgedächtnis und Rechtschreibung würden durch das Schreiben mit der Hand deutlich verbessert. Durch die Digitalisierung, so der Handschrift-Experte, könnten uns so – wie in anderen Lebensbereichen auch – schleichend kostbare Fertigkeiten verloren gehen.

Im Trend: Handlettering-Kurse

Zuletzt waren Ausmalbücher für Erwachsene DER Trend. Mittlerweile sind die aus den Geschäften verschwunden und wurden ersetzt durch Titel wie: "Die Kunst der schönen Buchstaben" oder "Das große Buch der Alphabete". Schönschreiben für Erwachsene? Was früher mal ein benotetes Schulfach war, kommt jetzt wie ein neuer Trend als "Handlettering", vom englischen "Letter" für "Buchstabe". Tatsächlich ist dieses Handlettering aber mehr als nur schön gleichmäßig schreiben. Mit einem "Brushpen", einem pinselartigen Faserstift, wird dabei unter Anleitung nämlich kunstvoll auf dem Papier mit Buchstaben „gespielt“. Größen und Schriftarten variieren. Es wird viel mit Schnörkeln und Verzierungen gearbeitet. Aber wieso gibt es jetzt immer öfter solche Handschreibkurse? Wieso haben sie zunehmenden Zulauf? "Weil die Leute dann doch merken, dass ihnen etwas fehlt", vermutet der Graphologe Christian Marquardt. "Jeder, der einmal etwas mit der Hand geschrieben hat, weiß, dass dieses Geschriebene eine besondere Bedeutung hat". Tatsächlich sei es so, "dass man an der Schrift indirekt die Person erkennen kann". Auch deshalb behalte die Handschrift wohl auch künftig einen Wert jenseits ihrer nüchternen Haupt-Funktion: Informationen zu Papier zu bringen und damit festzuhalten. 

 

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Stand: 21.03.2019, 12:16