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Miteinander statt nebeneinander: Auf gute Nachbarschaft!

Eine Frau holt ein Paket beim Nachbarn ab

Miteinander statt nebeneinander: Auf gute Nachbarschaft!

Von Christoph Tiegel

  • Gute (alte) Nachbarschaft adé?
  • Das Bochumer "Alsenwohnzimmer"
  • Nachbarschaft im Netz

Miteinander statt nebeneinander: Auf gute Nachbarschaft

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 18.05.2019 11:43 Min. Verfügbar bis 17.05.2020 WDR 4

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Gute (alte) Nachbarschaft adé?

Wie wird Nachbarschaft heutzutage gelebt? Tendenziell längst nicht mehr so menschlich nah wie vielleicht noch vor Jahrzehnten. Wenn man mal handfeste Hilfe im Haus oder im Garten braucht, oder wenn es darum geht, auch mal persönlichere Angelegenheiten zu besprechen: Dann, so unser Studiogast, der Bochumer Soziologie-Professor Sören Petermann, spielten Nachbarn da heute "kaum noch eine Rolle". In einer entsprechenden Befragung sagte nur jeder Zehnte von sich, er kenne einen oder mehrere Nachbarn so eng, dass sie zu seinem "Kern-Netzwerk" gezählt werden könnten. Lange vorbei die Zeiten, als die allgemeine Mobilität noch geringer, Nachbarn – z. B. in Zechensiedlungen – meistens Kollegen waren und die Frauen überwiegend nicht berufstätig und tagsüber zu Hause, wo sie nachbarschaftlichen Kontakt über den Hausflur oder Gartenzaun hinweg pflegen konnten.

Das Bochumer "Alsenwohnzimmer"

Während vielerorts nachbarschaftliche Gemeinschaft vermisst wird, versucht man mancherorts, sie gezielt wiederzubeleben. "Miteinander statt nebeneinander": Das ist das Motto in der Bochumer Alsenstraße, einem ruhigen Wohnviertel ganz nah an der Innenstadt. Hier leben die Anwohner nicht nur anonym Tür an Tür: Vor gut zehn Jahren haben sie sich zusammengetan, ein altes Ladenlokal ausgebaut, ihr "Alsenwohnzimmer", und einen gleichnamigen Verein gegründet. Regelmäßig treffen sie sich, tauschen Ideen aus und stellen Projekte auf die Beine. Jeden Dienstagabend z. B. kommt jeder, der Lust und Hunger hat, zum gemeinsamen Essen ins Alsenwohnzimmer. "Ein Topf und ein Tisch" heißt die Devise – jeder bringt was mit und dann wird geteilt.

Nachbarschaft im Netz

Früher lernte man seine Nachbarn im Treppenhaus oder am Gartenzaun kennen, heute vielleicht eher über ein Nachbarschaftsportal im Internet. "Die haben tatsächlich einen großen Zulauf", bestätigt unser Studiogast Prof. Sören Petermann. "Die Nutzer von solchen Plattformen sind in aller Regel Personen, die neu angekommen sind in einer Stadt oder in einer Nachbarschaft". Sehr stark nachgefragt seien dort Hinweise und Tipps für konkrete Dienstleistungen wie Gartenarbeiten, Schülernachhilfe, Hunde- und Babysitting. Es werden aber auch Verabredungen getroffen, zum Beispiel für gemeinsame Straßen- bzw. Nachbarschaftsfeste. 

Stand: 17.05.2019, 10:12