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Hinterkopf einer Frau mit langen grauen Haaren

Graues Haar - tönen, färben oder einfach so schön finden!

Stand: 10.03.2023, 13:57 Uhr

Irgendwann ist es auf fast jedem Kopf so weit: Aus schwarz, braun, rot oder blond wird grau. Genau genommen, silberweiß. Wenn unser Haupthaar naturgemäß nach und nach seine ursprüngliche Farbe verliert – dann wir hoffentlich nicht die Fassung!

Graues Haar - tönen, färben oder einfach so schön finden!

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 18.03.2023 12:33 Min. Verfügbar bis 10.03.2024 WDR 4 Von Michael Westerhoff


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Kristin aus Meschede ist noch keine 40 Jahre alt und auf dem Kopf komplett ergraut. Schon mit 14 habe sie ihr erstes graues Haar entdeckt. Und es blieb nicht bei einem. "Jedes leuchtete wie der Polarstern, also, ich musste hinterher alle drei Wochen tönen, so sehr hat mich das gestört." Jahrelang hat sie getönt und gefärbt. 

Mit Anfang 30 machte sie Schluss mit dem Haarefärben. "Weil ich der Meinung bin: Grau ist auch nur eine Haarfarbe und ich habe mich noch nie so wohl gefühlt. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht froh bin, dass ich es gemacht habe!"

"Mama, das macht älter!"

Christel (67) sitzt in einem Friseurladen in Herdringen bei Arnsberg. Ihr Kurzhaarschnitt braucht mal wieder frische braune Farbe. Warum sie der Natur nicht einfach ihren Lauf lassen mag? "Ich habe karierte Haare, graue, braune - um da eine Gleichmäßigkeit reinzukriegen, färbe ich die." Das Färben einfach mal lassen? "Da fühle ich mich nicht wohl", sagt Christel. Und sie vertraut dem Urteil ihrer Kinder, die ganz unverblümt sagen würden: "Mama, das macht älter!" 

Wie wir natürlich ergrauen

Das natürliche Ergrauen des Haupthaars, so erklärt es unser Studiogast, der Hautarzt Dr. Volkhard Schindler, liege maßgeblich an einem Enzym, der Tyrosinkinase. Die ist zuständig für die Entstehung des Farbpigments (Melanin) im Haar. Wenn im Laufe des Lebens (je nach Veranlagung auch schon mal in jüngeren Jahren) die Enzym-Menge abnehme, reduziere sich automatisch auch das ursprüngliche Farbpigment im Haar. Es erscheine dann grau bzw. silbrig weiß. 

Farbverlust ist nicht aufzuhalten

Können wir unser natürliches Ergrauen hinauszögern? Hautarzt Dr. Schindler: "Ich würde sagen: Nein. Da muss man schon künstlich nachhelfen." Regelmäßiges Tönen oder Färben – aus medizinischer Sicht kein Problem? "Solange die Kopfhaut in Ordnung ist, kann man die Haare auch färben", sagt der Dermatologe: "Wenn man eine empfindliche Kopfhaut hat oder eine Allergie – das ist häufig gegen dunkle Farbstoffe der Fall -, dann sollte man es besser lassen." Allergische Reaktionen kämen übrigens grundsätzlich bei chemischen wie bei pflanzlichen Farbstoffen vor. 

Färbemittel hautverträglicher als früher

Insgesamt, so der Hautarzt, seien die heutigen Färbemittel aber überwiegend hautverträglicher als früher. Das bestätigt auch Friseurmeister Werner Reuther: "Mittlerweile gibt es auf dem Markt Farben, die ohne Ammoniak auskommen." Die hätten sogar eine pflegende Wirkung. "Und der Juckreiz, der entstehen kann, der ist milder oder es juckt gar nicht." Seit 59 Jahren ist Werner Reuther Friseur. Seine dringende Empfehlung: Haare färben besser dem Fachmann (oder der Fachfrau) überlassen.

Selbstfärber verfehlen gewünschte Wirkung

In seinem Salon sind es meist Frauen, die färben lassen. Männer, so seine Beobachtung, nähmen die Angelegenheit gerne selbst in die Hand – allerdings oft mit eher zweifelhaftem Ergebnis. "Die Farben sind meist zu dunkel und zu gleichmäßig", sagt der Fachmann, wodurch die Gesichtszüge eher härter erscheinen und vorhandene Falten betont würden. Beides vermutlich eher das Gegenteil der gewünschten Wirkung.