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Von "Herbsttag" bis "Abendlied" – unsere Lieblingsgedichte

Stand: 20.05.2022, 09:59 Uhr

Ob "Herr von Ribbeck" oder "Er ist's!" – oft ist es Jahrzehnte her, dass wir diese Gedichte gelernt haben. Und dennoch bleiben sie im Gedächtnis. Bei WDR 4 Mittendrin sammeln wir Geschichten rund um Ihre Lieblingsverse.

Von Anne Debus

Von "Herbsttag" bis "Abendlied" – unsere Lieblingsgedichte

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 21.05.2022 13:27 Min. Verfügbar bis 21.05.2023 WDR 4 Von Anne Debus


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In der Jugend gelernt, nie ganz vergessen

Blättern Sie doch mal wieder in einem Gedichteband. Bestimmt werden Sie alle paar Seiten denken: "Ach ja richtig! Das habe ich doch damals in der Schule gelernt!" Und erstaunt feststellen, wie viele Verse Sie noch immer auswendig können.

Die 71jährige Monika liebt zum Beispiel das Gedicht "Ein dicker Sack" von Wilhelm Busch. Darin streiten sich ein voller Getreidesack und die Ähren auf dem Felde darum, wer wichtiger ist. "Ich fand das so toll, die Botschaft von dem Gedicht, dass nicht derjenige, der meint, er ist der Größte, das Sagen hat, sondern die Gemeinschaft!"

Die gleichaltrige Jutta ist beeindruckt vom Erlkönig und der lautmalerischen Sprache darin: "Gedichte behält man deshalb, weil die mit einem bestimmten Rhythmus verbunden sind und mit Bildern. Also ich sehe da diesen reitenden Vater richtig vor mir. Man hört ja praktisch dieses Geklapper von den Hufen des Pferdes..."

Der Reiz der Gedichte

Aber liegt der Reiz von Lyrik "nur" im Versmaß und der bildhaften Sprache? Manfred, 68, schätzt noch mehr daran: "Dass Gefühle transportiert werden können – mehr und dichter als in der Prosa. Es berührt konzentrierter, man wird mit wenigen Worten in eine Stimmung hineingeführt."

Für die 81jährige Hella gehören Gedichte zu ihrem Leben. "Es ist zum Teil praktische Lebenshilfe, wenn einem in einer bestimmten Lage ein geflügeltes Wort einfällt, oder eine Gedichtzeile, und die passt, das ist doch wunderbar!"

Unser Studiogast Walter Wehner, Kunsthistoriker, Gedichteliebhaber und Betreiber eines Lyrik-Archivs, drückt es so aus: "Man kriegt in komprimierter Form eine ganze Welt dargeboten. Und das leistet, glaube ich, tatsächlich nur diese Form von Literatur. Auf engstem Raum eine Fülle von Erfahrungen, Erlebnissen und Welt darzubieten!"

Der Stress beim Aufsagen

Die Jüngeren unter uns haben in ihrer Schulzeit Gedichte vor allem interpretiert. Viele Ältere dagegen mussten Balladen, Oden und Sonette noch auswendig lernen. Und vor der  Klasse vortragen. Das konnte ein Erfolgserlebnis sein, aber auch ganz schön stressig. Besonders mit einem wenig zartfühlenden Lehrer.

Die 81jährige Hella erinnert sich an ein Erlebnis in der Sexta mit dem Frühlingsgedicht "Er ist's" von Eduard Mörike – "Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte..."

"Das weiß ich bis heute, weil wir einen Deutschlehrer hatten, der einfach ganz gemein war. Wir hatten eine stark lispelnde Klassenkameradin, und ausgerechnet die musste am ersten Frühlingstag nach vorne kommen: 'Evchen, sag doch mal das Frühlingsgedicht!".