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Früher spontan – heute lieber nach Plan?

Eine Frau packt einen Koffer, während ihr Freund noch am Handy spielt.

Früher spontan – heute lieber nach Plan?

Von Anne Debus

  • Je älter wir werden, desto wichtiger wird uns Planung
  • Spontaneität ist kein Wert an sich, sondern Teil einer Lebensphase
  • Sie dient vor allem dem Austesten von Grenzen in der Jugend

Früher spontan und heute lieber nach Plan?

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 08.05.2021 13:56 Min. Verfügbar bis 08.05.2022 WDR 4


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Mit zunehmendem Alter wird Planung wichtiger

Den Urlaub als Rucksackreise verbringen, ungeplant eine große Party geben, beim Umzug seine Siebensachen einfach sorglos in Kartons werfen, ohne erst lange Listen zu schreiben – mit 20 oder 30 war das völlig normal, heute schütteln wir den Kopf darüber. Je älter man wird, desto mehr Wert legt man meist auf Planung und Sicherheit.

Das hat etwas damit zu tun, dass mit zunehmendem Alter die Informationsverarbeitung im Gehirn nicht mehr so schnell funktioniert. Deshalb können wir mit unerwarteten und ungewohnten Situationen nicht mehr so gut umgehen. Es ist aber auch eine ganz normale Folge unserer seelischen Weiterentwicklung.

Spontaneität ist ein Merkmal der Jugend

Spontan ans Meer fahren und irgendwo am Strand schlafen, womöglich noch ohne Schlafsack? Ja, das ist wahnsinnig spontan. Aber auch kalt, feucht und sandig. Möchten wir das mit 50 oder 60 noch? Eigentlich nicht! Und das ist auch gut so, meint unser Studiogast, der Psychologe und Alternsforscher Prof. Hans-Werner Wahl. Denn: Spontaneität gehört zur Lebensphase der Jugend.

"Die Jugend ist eine Phase, in der wir unsere Identität definieren. Auch darüber, dass wir ganz schnell mal was machen. Und wir haben uns gar nicht vorbereitet, und alles geht doch irgendwie gut – manchmal geht es ja auch schief. Aber das ist ein Stück Definition des frühen Lebens: Spontaneität, hohe Aktivität, unsere Grenzen austesten, auch einfach mal drauflos handeln."

Das spätere Leben dagegen sei eher gekennzeichnet von "mehr Planung, sich mehr Zeit nehmen, sich keinen unnötigen Stress machen. Den man ja vielleicht auch nicht mehr so gut erträgt."

Unspontan heißt nicht spießig

Eltern und Großeltern kennen das Augenverdrehen von Kindern und Enkeln, wenn sie Dinge in Ruhe und mit viel Vorlauf planen möchten. Dann kommen schnell Kommentare wie "spießig" oder "langweilig". Aber wo steht geschrieben, dass man spontan sein muss?

Alternsforscher Prof. Hans-Werner Wahl sieht das Ganze wertfrei – als ein unterschiedlicher Umgang mit Zeit und mit Anforderungen, der zu verschiedenen Lebensabschnitten passt. Spontaneität sei ja kein Wert an sich.

"Ich wüsste jetzt keine Wertung, die sagt: Das eine führt zu größerem Erfolg als das andere. Es sind einfach unterschiedliche Vorgehensweisen, die was mit Lebensphasen zu tun haben."

Stand: 07.05.2021, 14:14

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