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Das Fenster zur Seele – was die Stimme (über) uns verrät

Mund- und Nasenpartie einer jungen Frau mit geöffnetem Mund

Das Fenster zur Seele – was die Stimme (über) uns verrät

Von Anne Debus

  • Die Stimme macht Emotionen hörbar
  • Stimme und Sprechweise lassen sich trainieren
  • Körperliche Fitness hält auch die Stimme jung

Das Fenster zur Seele – was die Stimme (über) uns verrät

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 06.02.2021 14:19 Min. Verfügbar bis 06.02.2022 WDR 4 Von Anne Debus


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Woran man Emotionen hören kann

'Die Augen sind der Spiegel der Seele', heißt es oft. Unser Studiogast, der Sprechwirkungsforscher Walter Sendlmeier, sieht das anders: Für ihn sagt die Stimme viel mehr über Charakter und Gemütszustand eines Menschen aus. Vor allem die 'Stimmung' ist in der Stimme hörbar. Zum Beispiel der Ärger:

"Beim Ärger geht die Stimme meistens insgesamt etwas mehr nach oben", so Walter Sendlmeier. "Wir sprechen etwas lauter, aber auch die Tonhöhen-Variation nimmt deutlich zu. Auch in der Artikulation verändert sich etwas: Bei Ärger sprechen wir ausnahmsweise deutlicher – in allen anderen Emotionen nimmt die Aussprachedeutlichkeit eher ab. Und wir betonen sehr viel mehr Silben."

Ein Grund dafür ist, dass wir bei Ärger unwillkürlich alle Muskeln anspannen, und das wirkt sich auch auf die Muskulatur des Kehlkopfes und damit unsere Stimme aus. Ist man dagegen traurig, nimmt die Körperspannung ab. Dann spricht man eher monoton und gedämpft .

Die Stimme lässt sich trainieren

Komplett steuern, wie die eigene Stimme klingt? Das schaffen meist nur Profis, wie Schauspieler. Aber auch wir Laien können etwas dafür tun, unserer Stimme einen angenehmen Klang zu geben und so etwa am Telefon einen guten Eindruck zu machen.

Ein Tipp von Sprechtrainerin Daria Nitschke aus Dortmund: Sich beim Sprechen aufrichten, als ob "aus unserem Hinterkopf ein Faden zur Decke reicht". Dann klinge die Stimme ganz anders, als wenn man zusammengesackt sitzt.

Und der zweite Tipp der Sprechtrainerin: Lächeln, besonders beim Telefonieren. "Das Lächeln kann man hören! Das ist für das Telefonieren ganz wichtig, dass man das weiß."

Körperliche Fitness hält die Stimme jung

Das Älterwerden verändert auch unsere Stimme: Sie wird weniger geschmeidig, klingt etwas spröder und rauer. Der Grund: Auch der Kehlkopf altert. Die Bänder erschlaffen, der Knorpel wird weniger elastisch. Außerdem nimmt das Lungenvolumen ab.

Dagegen kann man spezielle Stimmübungen machen. Unser Studiogast Walter Sendlmeier empfiehlt aber: Viel besser sei es, insgesamt auf körperliche Fitness zu achten, das wirke sich dann auch positiv auf die Stimme aus.

Wie gut das funktioniert, könnten wir heute schon hören, so der Sprechwirkungsforscher – es gebe viel mehr alte Menschen als alte Stimmen. "Es gibt viele alte Menschen, die sich fit halten, die fitter sind als in früheren Jahrhunderten. Und die haben dann auch Stimmen, die jünger klingen!"

Stand: 04.02.2021, 13:37