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Fasten und heilen

Auf einem rundem Schneidebrett liegen Messer und Gabel wie die Zeiger einer Uhr, dazwischen liegt Gemüse, zwei Drittel des Brettes sind leer.

Fasten und heilen

Von Christoph Tiegel

  • Bewusster Verzicht hat viele Namen
  • Heilfasten ist keine Diätvariante  
  • Voraussetzung: gesund und leistungsfähig

Fasten und heilen

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 09.03.2019 11:20 Min. WDR 4

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Nahrungsverzicht hat viele Namen

Abstinenzfasten, Intervallfasten, Vollfasten, Buchinger-Fasten – der bewusste Nahrungsverzicht hat viele Namen. Hinter jedem davon steckt eine eigene Methode. Unser Studiogast Andrea Chiappa von der Deutschen Fastenakademie ist Experte für Buchinger-Fasten und erklärt: "Das ist ein Flüssig-Fasten. Das heißt, wir trinken ausschließlich und verzichten auf das Kauen." Man nimmt in der Regel für 5 bis 7 Tage (in der stationären Therapie 10 bis 21) ausschließlich kalorienarme Flüssigkeiten zu sich wie (vorzugsweise frisch gepresste) Obst- und Gemüsesäfte und Kartoffel-Gemüsebrühen. Chiappa: "Dazu gibt es reichlich Kräutertee, etwas Honig und ansonsten viel, viel Wasser." Insgesamt drei Liter Flüssigkeit pro Tag sind Pflicht. Dazu sollte man sich viel und möglichst an der frischen Luft bewegen.

Was bringt das Heilfasten?

Die meisten Menschen in Deutschland, sagt der Fastenexperte, "ernähren sich zu kalorienreich". Dabei bewegen sie sich zu wenig. Mit gesundheitlichen Folgen, z. B. Stoffwechselproblemen und krankhaftem Übergewicht bzw. Fettleibigkeit (Adipositas). Ernährungsfachmann Chiappa: "Wir in der Naturheilkunde sprechen von 'Überflusssymptomen'." Reduziere man die Kalorienzufuhr auf maximal 500 kcal pro Tag, führe das dazu, dass diese Symptome zum Teil deutlich verbessert würden. Die positiven Effekte einer solchen präventiven Heilfastenkur hielten in der Regel 3 bis 4 Monate an. "Dann spürt der erfahrene Faster", so Andrea Chiappa, "dass es wieder Zeit ist." Viele würden pro Jahr regelmäßig zwei Fastenkuren einlegen.

Wer darf fasten?

"Wir Fastenleiter von der Deutschen Fastenakademie haben da strenge Regularien", sagt unser Studiogast Andrea Chiappa. "Es ist abhängig vom Alter: unter 16 und über 70 Jahre sollte man auf jeden Fall ein ärztliches Attest mitliefern." Das Motiv müsse auch triftig sein. Eine schlanke 14-Jährige, die fasten wolle, um noch schlanker zu werden, wenn es Hinweise auf eine Essstörung gebe, "dann machen wir das natürlich nicht". Ansonsten gelte für das Heilfasten die Regel: "Man sollte im Prinzip gesund und leistungsfähig sein." Zum einen bedeute das, dass man aktuell keine kontrollpflichtigen Medikamente einnehmen müsse, zum anderen müssten Herz und Lunge so weit in Ordnung sein, dass man ohne Probleme am begleitenden Gymnastik- und Sportprogramm teilnehmen könne. Zudem sollten "physiologische Reserven" vorhanden, das heißt, die fürs Fasten notwendige Leistung von Leber und Nieren sollte gewährleistet sein.

 

Stand: 08.03.2019, 10:15