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Wie Farben uns beeinflussen

Wasserfarben-Kasten

Wie Farben uns beeinflussen

Von Anne Debus

Farben haben einen großen Einfluss auf unser Leben: Sie können uns anregen oder beruhigen, uns in Sicherheit wiegen oder in Alarmstimmung versetzen, sie beeinflussen unser Temperaturempfinden und sogar unseren Appetit.

Wie Farben uns beeinflussen

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter | 28.10.2017 | 13:59 Min.

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Die richtige Wandfarbe

Die Farben eines Raumes haben direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden. Grün, als die Farbe der Natur, gibt ein Gefühl der Sicherheit, blau beruhigt, erdige Töne schenken Geborgenheit. Farben beeinflussen auch die Heizungsrechnung – nicht umsonst spricht man von 'warmen' oder 'kalten' Farben. Die Temperatur in einem Raum, der in Rot- oder Orange-Tönen gestrichen ist, wird um etwa drei Grad wärmer empfunden als die Temperatur in einem Raum in kaltem Blau. Auch die Farbe der Küche sollte wohl überlegt sein, besonders wenn man auf sein Gewicht achten möchte: Helle Cremefarben und pastellige Beeren-Töne machen Appetit auf Süßes. Und das nicht nur im übertragenen Sinne - Farben wirken unmittelbar auf unser Nervensystem. Der Anblick einer als lecker empfundenen Farbe lässt den Blutzuckerspiegel sinken, man bekommt Hunger. Auch der Geschmackssinn wird durch Farben beeinflußt. Experimente haben gezeigt, dass Versuchspersonen einen Wein süßer finden, wenn sie ihn in einem roten Raum trinken.

Was Kleidungsfarben aussagen

Farben sind Kommunikation. Damit, wie bunt wir gekleidet sind, signalisieren wir, wie offen und kontaktfreudig wir uns jeweils fühlen. Farben entscheiden aber auch darüber, als wie seriös wir wahrgenommen werden. Schwarz, Weiß und Grau stehen für Kompetenz, Klasse und Seriosität: Hier möchte jemand sich nicht als Person in den Vordergrund drängen, sondern will über seine Leistung definiert werden. Eine besondere Rolle spielt die Farbe Rot: Sie steht für körperliche Attraktivität und menschliche Nähe. Tests haben ergeben: Trägt jemand ein rotes Kleidungsstück, dann wollen sich doppelt so viele Menschen mit ihm oder ihr verabreden, als wenn derjenige blau gekleidet ist. Gleichzeitig ist Rot aber auch das Symbol für Aggression, Durchsetzungsfähigkeit und Entschlossenheit. Das hat Folgen im Sport: Bei zwei gleich starken Mannschaften gewinnt häufiger die in roten Trikots. Offenbar schüchtert das Rot die Gegner ein. Versuche legen aber auch nahe, dass Schiedsrichter unbewusst die rotgekleidete Mannschaft bevorzugen. Mit Pink oder Rosa dagegen sollten vor allem Frauen im Beruf vorsichtig sein: Rosa wird mit der ungeschützten Haut von Babys assoziiert und erzeugt den Eindruck von Verletztlichkeit und Naivität. Vor allem knalliges Pink wird zudem auch als leicht sexuell anzüglich und wenig intelligent wahrgenommen.

Farben in der Werbung

Die Wirkung der Farben macht sich natürlich auch die Wirtschaft zunutze. Rot ist die Farbe mit der größten Signalwirkung, Rabatte werden deshalb fast immer in Rot angekündigt. Im Supermarkt haben Diät- oder Light-Produkte meist eine hellblaue Verpackung, denn Hellblau steht für Leichtigkeit. Die Kombination von Grün und Weiß verbinden viele Menschen mit dem Begriff "gesund" – es verwundert also nicht, wenn Krankenkassen für ihr Logo diese Farben wählen. Blau dagegen symbolisiert Vertrauen und Treue, unter anderem deshalb, weil es auch mit einer höheren Macht assoziiert wird. Schließlich "wohnen" in fast allen Kulturkreisen die Götter im blauen Himmel, tragen in Bildern oft auch blaue Gewänder. Blau wird deshalb gerne von Banken, Versicherungen und neuerdings auch von sozialen Netzwerken als Firmenfarbe benutzt. Manchmal gelingt es Herstellern aber auch, mit ihrem Produkt eine völlig neue Farbassoziation zu schaffen. Die Zeiten, als Lila als Symbol des Feminismus galt, sind vorbei – seit der Erfindung der "lila Kuh" weckt die Fabe Lila in den meisten von uns vor allem Lust auf Schokolade.

Zum Schluss ein Tipp für Lehrer

Es gibt Empfehlungen, Klassenarbeiten nicht mehr in aggressivem Rot zu korrigieren, sondern Anmerkungen etwa in Lila oder Zartlila zu schreiben. So nähmen Schüler ihre Fehler bereitwilliger zur Kenntnis.

Stand: 27.10.2017, 00:00