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Enkeltrick

Enkeltrick & Co. – Immer neue miese Betrugsmaschen am Telefon!

Stand: 01.07.2022, 13:40 Uhr

Bei Anruf: Betrug! Vor allem auf ältere und alte Menschen haben es die Täter abgesehen. Sie melden sich als angebliche "Enkel", "Neffen" oder "Polizisten" per Telefon, täuschen eine Not- oder Gefahrenlage vor und haben dabei nur eins im Sinn: skrupellose Abzocke! Und die Fälle häufen sich.

Von Angela Pütz

Enkeltrick & Co. - Immer neue miese Betrugsmaschen am Telefon!

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 02.07.2022 14:46 Min. Verfügbar bis 02.07.2023 WDR 4


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Enkeltrick – der "Klassiker"

Vorzugsweise bei älteren Menschen melden sich "Enkel" oder "Neffen" überraschend am Telefon (oft mit unterdrückter Rufnummer) und täuschen eine akute finanzielle Notlage vor –  z.B. als Folge eines vermeintlichen Unfalls (aktuell gerne auch: schwere Corona-Erkrankung).

Mit massivem psychischen Druck versuchen diese Täter ihre Opfer dazu zu bringen, hohe Geldbeträge (meist fünfstellige Summen) vom Konto abzuheben und – weil sie angeblich nicht selbst kommen können – an einen "Boten" zu übergeben.

Miese Masche mit Varianten

Unser Studiogast Markus Schettke vom Kommissariat für Prävention und Opferschutz der Dortmunder Polizei berichtet von einer perfiden Variante des Enkeltricks. Jemand meldet sich als vermeintlicher Verwandter am Telefon "und stellt irgendwelche merkwürdigen Forderungen." Der oder die Angerufene legt auf, weil er oder sie Betrug wittert. Kurz darauf klingelt das Telefon erneut und es meldet sich ein angeblicher "Kommissar XY": "Sie sind gerade von einem Straftäter angerufen worden, der hat bei Ihnen den Enkeltrick versucht."

Falscher Enkel UND Polizist

Den hätten sie als Polizei schon lange "auf dem Kieker" und würden "ihn gerne mal auf frischer Tat ertappen." In der Regel, so "Kommissar XY", melde sich der Trickbetrüger noch ein zweites Mal per Telefon. Dann solle man einfach mitspielen, auf dessen Forderungen eingehen, Schmuck oder Bargeld übergeben – den Täter werde man dann auf frischer Tat verhaften. Was natürlich definitiv nicht passieren wird, weil der "Kommissar" am Telefon ebenso falsch ist wie der vermeintliche Enkel – und beide unter einer Decke stecken.

Neue WhatsApp-Variante

"Hallo Mama, mein Handy ist kaputt. Das ist meine neue Nummer.": So oder so ähnlich beginnen die WhatsApp-Nachrichten, versandt von einer unbekannten Nummer, in der ein vermeintliches Kind darum bittet, die neue Nummer als Kontakt zu speichern. Der Gedanke an die eigene Tochter oder den Sohn lässt viele der unbekannten Nummer antworten. Wie beim klassischen Enkeltrick am Telefon beginnen die Betrüger ihre Masche mit einer namenlosen Anfrage. Bald folgt – ebenfalls per WhatsApp – eine dringende Bitte um schnelle finanzielle Hilfe. Zur Begleichung einer offenen Rechnung. Angeblich sei "auf dem eigenen neuen Handy gerade kein Online-Banking möglich." Im Glauben, mit dem eigenen Kind zu kommunizieren, überweisen die Opfer das geforderte Geld. Dadurch nehmen sie nicht nur finanziell, sondern auch seelisch Schaden.

Telefonbetrug und die Folgen

"Die Opfer sind wirklich in einer schlimmen Verfassung. Menschen sind nach der Tat häufig stark verändert, eingeschüchtert, haben auch das Vertrauen in ihre Umgebung verloren", sagt Kriminalhauptkommissar Markus Schettke. Das verlorene Vertrauen wieder aufzubauen, sei gerade bei älteren und hochaltrigen Menschen sehr schwierig. Gerade für diesen Personenkreis komme der Prävention besondere Bedeutung zu. Aber was hilft gegen die miesen Maschen der Telefonbetrüger?

Keine Angst vor eigener Unhöflichkeit

Die Polizei empfiehlt grundsätzlich ein gesundes Misstrauen Fremden gegenüber. Merkwürdige Anrufe? Überraschende Geldforderungen am Telefon? Spätestens da sollten die eigenen Alarmglocken schrillen. Wichtigster Tipp: Sofort (!) auflegen und unverzüglich eine Vertrauensperson oder (über 110) direkt die Polizei kontaktieren. Denn: Die Betrüger sind sprachlich und psychologisch gewieft. Je mehr Zeit man ihnen gibt, desto höher die Gefahr, dass man doch auf sie hereinfällt. Deshalb: Bloß keine höfliche Zurückhaltung! (Weitere Tipps der Polizei: siehe Links unter "Mehr Informationen").