Zwischen Hoffen und Bangen: Corona-Herbst im Seniorenheim

zwei sich haltende Hände

Zwischen Hoffen und Bangen: Corona-Herbst im Seniorenheim

Von Christoph Tiegel

  • Lockdown bedrückend für alle
  • Auf zweite Welle vorbereitet
  • Besuchsverbot keine Dauerlösung

Zwischen Hoffen und Bangen: Corona-Herbst im Seniorenheim

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 17.10.2020 11:47 Min. Verfügbar bis 17.10.2021 WDR 4 Von Michael Westerhoff

Download

Lockdown war schlimm

"Diese Besuchszeiten, die Verbote: Das war das Allerschlimmste. Ich habe nur noch die eine Tochter. Auf einmal kam sie nicht mehr." Eine Lockdown-Erfahrung, die Ursula, 79-jährige Bewohnerin des Dortmunder Minna-Sattler-Seniorenzentrums, nicht noch einmal machen möchte. Genau wie ihre Tochter Sabine: "Eine Leere war auf einmal da. Und auch Tränen sind geflossen. Manchmal vor Wut. Manchmal vor Trauer."

Petra, Wohnbereichsleiterin im städtischen Seniorenheim Weiße Taube in Dortmund, ergänzt: "Es war ja für alle bedrückend, ob es die Bewohner oder wir Mitarbeiter waren." Die 62-Jährige bezeichnet das Jahr 2020 insgesamt als das "anstrengendste" ihrer Berufszeit: "Weil: Die Einschränkung gilt ja nicht nur für die Bewohner hier, sondern auch für mich. Ich kann ja auch selbst keine Kontakte haben. Ich habe wirklich nur Arbeit, Einkaufen, Zuhause gehabt, die ganzen Wochen und Monate."

Auf zweite Welle vorbereitet

Und wenn jetzt tatsächlich die allseits befürchtete zweite große Pandemiewelle kommt? "Ich hoffe einfach, dass wir die genauso gut überstehen wie die erste!", sagt Minna-Sattler-Altenpflegerin Sabrina. Ihre Pflegedienstleiterin Martina bekräftigt: "Wir sind vorbereitet! Das ist nicht wie im März." Wie sehen Seniorenheimbewohnerinnen und -bewohner ihr Ansteckungsrisiko?

Die 81-jährige Erika sagt, davor habe sie eigentlich weniger Angst: "Es wird ja alles getan, dass wir eben nicht angesteckt werden." Erikas Sohn Bruno beschleicht angesichts der ansteigenden Infektionszahlen "schon ein mulmiges Gefühl". Er könnte auch verstehen, wenn es in den Seniorenheimen wieder zu strengeren Kontakt- und Besuchseinschränkungen kommen würde, aber: "So einen absoluten Lockdown braucht eigentlich keiner mehr!"

Besuchsverbot keine Dauerlösung

Das Besuchsverbot aus dem Frühjahr konnte "keine Dauerlösung" sein, sagt Studiogast Hans van Dormalen, Leiter des Minna-Sattler-Seniorenzentrums in Dortmund. Die seit Mai wieder gelockerten Besuchsregeln (Anmeldung und Temperaturcheck und Mund-Nasen-Schutz/Handdesinfektion für Besucherinnen und Besucher obligatorisch) haben erstmal Bestand. Bewohnerinnen und Bewohner dürften prinzipiell jederzeit die Einrichtung verlassen, um zum Beispiel ihre Angehörigen zu besuchen.

Die derzeitige Stimmung in seiner Einrichtung beschreibt Hans van Dormalen als "gespanntes Abwarten". Der Leiter des Seniorenheims Weiße Taube, Fabian Ruin, hofft, wie viele, derzeit sehr auf das baldige Finden eines Impfstoffs und darauf, "dass dann wirklich die Pflegeheime bevorzugt behandelt werden", so dass "die Bewohner dann auch wieder ein normales Leben führen können."

Stand: 17.10.2020, 10:24